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Die Wahlverwandtschaften

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Der Landmann, der von ihnen die Geschichte des gestrandeten Schiffs vernommen hatte, eilte ohne weiter zu fragen nach dem Ufer. Das Fahrzeug kam glücklich einhergeschwommen; es war mit  vieler  Mühe  losgebracht  worden.  Man  fuhr  aufs  ungewisse  fort,  in  Hoffnung,  die  Verlornen wieder  zu  finden.  Als  daher  der  Landmann  mit  Rufen  und  Winken  die  Schiffenden  aufmerksam machte,  an  eine  Stelle  lief,  wo  ein  vorteilhafter  Landungsplatz  sich  zeigte  und  mit  Winken  und Rufen nicht aufhörte, wandte sich das Schiff nach dem Ufer, und welch ein Schauspiel ward es, da sie  landeten!  Die  Eltern  der  beiden  Verlobten  drängten  sich  zuerst  ans  Ufer;  den  liebenden Bräutigam hatte fast die Besinnung verlassen. Kaum hatten sie vernommen, daß die lieben Kinder gerettet  seien,  so  traten  diese  in  ihrer  sonderbaren  Verkleidung  aus  dem  Busch  hervor.  Man erkannte sie nicht eher, als bis sie ganz herangetreten waren. Wen seh’ ich? riefen die Mütter, was seh’ ich? riefen die Väter. Die Geretteten warfen sich vor ihnen nieder. Eure Kinder! riefen sie aus: ein  Paar.  Verzeiht!  rief  das  Mädchen.  Gebt  uns  euren  Segen!  rief  der  Jüngling.  Gebt  uns  euren Segen!  riefen  beide,  da  alle  Welt  staunend  verstummte. Euren Segen! ertönte es zum drittenmal, und wer hätte den versagen können? Elftes Kapitel Der Erzählende machte eine Pause, oder hatte vielmehr schon geendigt, als er bemerken mußte, daß Charlotte höchst bewegt sei; ja sie stand auf und verließ mit einer stummen Entschuldigung das Zimmer: denn die Geschichte war ihr bekannt. Diese Begebenheit hatte sich mit dem Hauptmann und einer Nachbarin wirklich zugetragen, zwar nicht ganz, wie sie der Engländer erzählte, doch war sie in den Hauptzügen nicht entstellt, nur im einzelnen mehr ausgebildet und ausgeschmückt, wie es dergleichen  Geschichten  zu  gehen  pflegt,  wenn  sie  erst  durch  den  Mund  der  Menge  und  sodann durch  die  Phantasie  eines  geist-  und  geschmackreichen  Erzählers  durchgehen.  Es  bleibt  zuletzt meist alles und nichts wie es war. Ottilie folgte Charlotten, wie es die beiden Fremden selbst verlangten, und nun kam der Lord an die Reihe zu bemerken, daß vielleicht abermals ein Fehler begangen, etwas dem Hause Bekanntes oder gar Verwandtes erzählt worden. Wir müssen uns hüten, fuhr er fort, daß wir nicht noch mehr Übles  stiften.  Für  das  viele  Gute  und  Angenehme,  das  wir  hier  genossen,  scheinen  wir  den Bewohnerinnen wenig Glück zu bringen; wir wollen uns auf eine schickliche Weise zu empfehlen suchen. Ich  muß  gestehen,  versetzte  der  Begleiter,  daß  mich  hier  noch  etwas  anderes  festhält,  ohne dessen  Aufklärung  und  nähere  Kenntnis  ich  dieses  Haus  nicht  gern  verlassen  möchte.  Sie  waren gestern,  Mylord,  als  wir  mit  der  tragbaren  dunklen  Kammer  durch  den  Park  zogen,  viel  zu beschäftigt, sich einen wahrhaft malerischen Standpunkt auszuwählen, als daß Sie hätten bemerken sollen, was nebenher vorging. Sie lenkten vom Hauptwege ab, um zu einem wenig besuchten Platze am See zu gelangen, der Ihnen ein reizendes Gegenüber anbot. Ottilie, die uns begleitete, stand an zu folgen, und bat, sich auf dem Kahne dorthin begeben zu dürfen. Ich setzte mich mit ihr ein und hatte meine Freude an der Gewandtheit der schönen Schifferin. Ich versicherte ihr, daß ich seit der Schweiz, wo auch die reizendsten Mädchen die Stelle des Fährmanns vertreten, nicht so angenehm sei über die Wellen geschaukelt worden; konnte mich aber nicht enthalten, sie zu fragen, warum sie eigentlich abgelehnt, jenen Seitenweg zu machen: denn wirklich war in ihrem Ausweichen eine Art von ängstlicher Verlegenheit. Wenn Sie mich nicht auslachen wollen, versetzte sie freundlich, so kann ich Ihnen darüber wohl einige Auskunft geben, obgleich selbst für mich dabei ein Geheimnis obwaltet.  Ich  habe  jenen  Nebenweg  niemals  betreten,  ohne  daß  mich  ein  ganz  eigener  Schauer überfallen  hätte,  den  ich  sonst  nirgends  empfinde  und  den  ich  mir  nicht  zu  erklären  weiß.  Ich vermeide  daher  lieber,  mich  einer  solchen  Empfindung  auszusetzen,  um  so  mehr  als  sich  gleich darauf  ein  Kopfweh  an  der  linken  Seite  einstellt,  woran  ich  sonst  auch  manchmal  leide.  Wir landeten, Ottilie unterhielt sich mit Ihnen, und ich untersuchte indes die Stelle, die sie mir aus der 99
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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