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Die Wahlverwandtschaften

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Da ihr Euch so weit bemüht habt, rief ihm Eduard entgegen, so reitet noch vollends herein, wir kommen  an  einem  ernsthaften  Orte  zusammen,  und  seht,  wie  schön  Charlotte  diese  Trauer ausgeschmückt hat. Hier herein, rief der Reiter, komm’ ich weder zu Pferde, noch zu Wagen, noch zu Fuße. Diese da ruhen in Frieden, mit ihnen habe ich nichts zu schaffen. Gefallen muß ich mir’s lassen, wenn man mich einmal, die Füße voran, hereinschleppt. Also ist’s Ernst? Ja, rief Charlotte, recht Ernst! Es ist das erstemal, daß wir neuen Gatten in Not und Verwirrung sind, woraus wir uns nicht zu helfen wissen. Ihr seht nicht darnach aus, versetzte er: doch will ich’s glauben. Führt ihr mich an, so lass’ ich euch künftig stecken. Folgt geschwinde nach; meinem Pferde mag die Erholung zugut kommen. Bald fanden sich die dreie im Saale zusammen; das Essen ward aufgetragen, und Mittler erzählte von seinen heutigen Taten und Vorhaben. Dieser seltsame Mann war früherhin Geistlicher gewesen und  hatte  sich  bei  einer  rastlosen  Tätigkeit  in  seinem  Amte  dadurch  ausgezeichnet,  daß  er  alle Streitigkeiten, sowohl die häuslichen, als die nachbarlichen, erst der einzelnen Bewohner, sodann ganzer Gemeinden und mehrerer Gutsbesitzer, zu  stillen und zu schlichten wußte. Solange er im Dienste war, hatte sich kein Ehepaar scheiden lassen, und die Landeskollegien wurden mit keinen Händeln und Prozessen von dorther behelliget. Wie nötig ihm die Rechtskunde sei, ward er zeitig gewahr.  Er  warf  sein  ganzes  Studium  darauf  und  fühlte  sich  bald  den  geschicktesten  Advokaten gewachsen. Sein Wirkungskreis dehnte sich wunderbar aus, und man war im Begriff, ihn nach der Residenz zu ziehen, um das von oben herein zu vollenden, was er von unten herauf begonnen hatte, als er einen ansehnlichen Lotteriegewinst tat, sich ein mäßiges Gut kaufte, es verpachtete und zum Mittelpunkt   seiner   Wirksamkeit   machte,   mit   dem   festen   Vorsatz,   oder   vielmehr   nach   alter Gewohnheit und Neigung, in keinem Hause zu verweilen, wo nichts zu schlichten und nichts zu helfen  wäre.  Diejenigen,  die  auf  Namensbedeutungen  abergläubisch  sind,  behaupten,  der  Name Mittler habe ihn genötigt, diese seltsamste aller Bestimmungen zu ergreifen. Der Nachtisch war aufgetragen, als der Gast seine Wirte ernstlich vermahnte, nicht weiter mit ihren Entdeckungen zurückzuhalten, weil er gleich nach dem Kaffee fort müsse. Die beiden Ehleute machten umständlich ihre Bekenntnisse; aber kaum hatte er den Sinn der Sache vernommen, als er verdrießlich vom Tische auffuhr, ans Fenster sprang und sein Pferd zu satteln befahl. Entweder ihr kennt mich nicht, rief er aus, ihr versteht mich nicht, oder ihr seid sehr boshaft. Ist denn hier ein Streit? ist denn hier eine Hilfe nötig? Glaubt ihr, daß ich in der Welt bin, um Rat zu geben? Das ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann. Gerät es gut, so freue er sich seiner Weisheit und seines Glücks; häuft’s übel ab, dann bin ich bei der Hand. Wer ein Übel los sein will, der weiß immer, was er will; wer was Bessers will, als er hat, der ist ganz starblind – Ja ja! lacht nur – er spielt Blindekuh, er ertappt’s vielleicht; aber was? Tut was ihr wollt: es ist ganz einerlei! Nehmt die Freunde zu euch, laßt sie weg: alles einerlei! Das Vernünftigste habe ich mißlingen sehen, das Abgeschmackteste gelingen. Zerbrecht euch die Köpfe nicht, und wenn’s auf eine oder die andre Weise übel abläuft, zerbrecht sie euch auch nicht. Schickt nur nach mir, und euch soll geholfen sein. Bis dahin euer Diener! Und so schwang er sich aufs Pferd, ohne den Kaffee abzuwarten. Hier siehst du, sagte Charlotte, wie wenig eigentlich ein Dritter fruchtet, wenn es zwischen zwei nahverbundenen  Personen  nicht  ganz  im  Gleichgewicht  steht.  Gegenwärtig  sind  wir  doch  wohl noch verworrner und ungewisser, wenn’s möglich ist, als vorher. Beide Gatten würden auch wohl noch eine Zeitlang geschwankt haben, wä re nicht ein Brief des Hauptmanns im Wechsel gegen Eduards letzten angekommen. Er hatte sich entschlossen, eine der ihm  angebotenen  Stellen  anzunehmen,  ob  sie  ihm  gleich  keineswegs  gemäß  war.  Er  sollte  mit vornehmen und reichen Leuten die Langeweile teilen, indem man auf ihn das Zutrauen setzte, daß er sie vertreiben würde. Eduard übersah das ganze Verhältnis recht deutlich und malte es noch recht scharf aus. Wollen wir  unsern  Freund  in  einem  solchen  Zustande  wissen?  rief  er:  du  kannst  nicht  so  grausam  sein, Charlotte! 9
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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