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Die Wahlverwandtschaften

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Manchmal,   wenn   mich   ein   neugieriges   Verlangen   nach   solchen   abenteuerlichen   Dingen anwandelte,   habe   ich   den   Reisenden   beneidet,   der   solche   Wunder   mit   andern   Wundern   in lebendiger  alltäglicher  Verbindung  sieht.  Aber  auch  er  wird  ein  anderer  Mensch.  Es  wandelt niemand  ungestraft  unter  Palmen,  und  die  Gesinnungen  ändern  sich  gewiß  in  einem  Lande,  wo Elefanten und Tiger zu Hause sind. Nur   der   Naturforscher   ist   verehrungswert,   der  uns   das   Fremdeste,   Seltsamste,   mit   seiner Lokalität,   mit   aller   Nachbarschaft   jedesmal   in   dem   eigensten   Elemente   zu   schildern   und darzustellen weiß. Wie gern möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören. Ein   Naturalienkabinett   kann   uns   vorkommen   wie   eine   ägyptische   Grabstätte,   wo   die verschiedenen  Tier-  und  Pflanzengötzen  balsamiert  umherstehen.  Einer  Priesterkaste  geziemt  es wohl,  sich  damit  in  geheimnisvollem  Halbdunkel  abzugeben;  aber  in  den  allgemeinen  Unterricht sollte dergleichen nicht einfließen, um so weniger, als etwas Näheres und Würdigeres sich dadurch leicht verdrängt sieht. Ein  Lehrer,  der  das  Gefühl  an  einer  einzigen  guten  Tat,  an  einem  einzigen  guten  Gedicht erwecken  kann,  leistet  mehr  als  einer,  der  uns  ganze  Reihen  untergeordneter  Naturbildungen  der Gestalt  und  dem  Namen  nach  überliefert:  denn  das  ganze  Resultat  davon  ist,  was  wir  ohnedies wissen  können,  daß  das  Menschengebild  am  vorzüglichsten  und  einzigsten  das  Gleichnis  der Gottheit an sich trägt. Dem  Einzelnen  bleibe  die  Freiheit,  sich  mit  dem  zu  beschäftigen,  was  ihn  anzieht,  was  ihm Freude  macht,  was  ihm  nützlich  deucht;  aber  das  eigentliche  Studium  der  Menschheit  ist  der Mensch. Achtes Kapitel Es gibt wenig Menschen, die sich mit dem Nächstvergangenen zu beschäftigen wissen. Entweder das  Gegenwärtige  hält  uns  mit  Gewalt  an  sich,  oder  wir  verlieren  uns  in  die  Vergangenheit  und suchen das völlig Verlorene, wie es nur möglich sein will, wieder hervorzurufen und herzustellen. Selbst  in  großen  und  reichen  Familien,  die  ihren  Vorfahren  vieles  schuldig  sind,  pflegt  es  so  zu gehen, daß man des Großvaters mehr als des Vaters gedenkt. Zu solchen Betrachtungen ward unser Gehilfe aufgefordert, als er an eine m der schönen Tage, an welchen der scheidende Winter den Frühling zu lügen pflegt, durch den großen alten Schloßgarten gegangen war und die hohen Lindenalleen, die regelmäßigen Anlagen, die sich von Eduards Vater herschrieben,  bewundert  hatte.  Sie  waren  vortrefflich gediehen, in dem Sinne desjenigen, der sie pflanzte,  und  nun,  da  sie  erst  anerkannt  und  genossen  werden  sollten,  sprach  niemand  mehr  von ihnen; man besuchte sie kaum und hatte Liebhaberei und Aufwand gegen eine andere Seite hin ins Freie und Weite gerichtet. Er  machte  bei  seiner  Rückkehr  Charlotten  die  Bemerkung,  die  sie  nicht  ungünstig  aufnahm. Indem uns das Leben fortzieht, versetzte sie, glauben wir aus uns selbst zu handeln, unsre Tätigkeit, unsre Vergnügungen zu wählen; aber freilich, wenn wir es genau ansehen, so sind es nur die Plane, die Neigungen der Zeit, die wir mit auszuführen genötigt sind. Gewiß, sagte der Gehilfe: und wer widersteht dem Strome seiner Umgebungen? Die Zeit rückt fort  und  in  ihr  Gesinnungen,  Meinungen,  Vorurteile  und  Liebhabereien.  Fällt  die  Jugend  eines Sohnes gerade in die Zeit der Umwendung, so kann man versichert sein, daß er mit seinem Vater nichts gemein haben wird. Wenn dieser in einer  Periode lebte, wo man Lust hatte, sich manches zuzueignen, dieses Eigentum zu sichern, zu beschränken, einzuengen und in der Absonderung von der  Welt  seinen  Genuß  zu  befestigen,  so  wird  jener  sodann  sich  auszudehnen  suchen,  mitteilen, verbreiten und das Verschlossene eröffnen. Ganze Zeiträume, versetzte Charlotte, gleichen diesem Vater und Sohn, den Sie schildern. Von jenen Zuständen, da jede kleine Stadt ihre Mauern und Gräben haben mußte, da man jeden Edelhof 87
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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