Titel:

Die Wahlverwandtschaften

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem jeder sein Bild zeigt. Es  gibt  eine  Höflichkeit  des  Herzens;  sie  ist  der  Liebe  verwandt.  Aus  ihr  entspringt  die bequemste Höflichkeit des äußern Betragens. Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre  der möglich ohne Liebe. Wir sind nie entfernter von unsern Wünschen, als wenn wir uns einbilden, das Gewünschte zu besitzen. Niemand ist mehr Sklave als der sich für frei hält, ohne es zu sein. Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe. Es ist was Schreckliches um einen vorzüglichen Mann, auf den sich die Dummen was zugute tun. Es gibt, sagt man, für den Kammerdiener keinen Helden. Das kommt aber bloß daher, weil der Held  nur  vom  Helden  anerkannt  werden  kann.  Der  Kammerdiener  wird  aber  wahrscheinlich seinesgleichen zu schätzen wissen. Es gibt keinen größern Trost für die Mittelmäßigkeit, als daß das Genie nicht unsterblich sei. Die größten Menschen hängen immer mit ihrem Jahrhundert durch eine Schwachheit zusammen. Man hält die Menschen gewöhnlich für gefährlicher, als sie s ind. Toren  und  gescheite  Leute  sind  gleich  unschädlich.  Nur  die  Halbnarren  und  Halbweisen,  das sind die gefährlichsten. Man  weicht  der  Welt  nicht  sicherer  aus  als  durch  die  Kunst,  und  man  verknüpft  sich  nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst. Selbst im Augenblick des höchsten Glücks und der höchsten Not bedürfe n wir des Künstlers. Die Kunst beschäftigt sich mit dem Schweren und Guten. Das Schwierige leicht behandelt zu sehen gibt uns das Anschauen des Unmöglichen. Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt. Säen ist nicht so beschwerlich als ernten. Sechstes Kapitel Die große Unruhe, welche Charlotten durch diesen Besuch erwuchs, ward ihr dadurch vergütet, daß sie ihre Tochter völlig begreifen lernte, worin ihr die Bekanntschaft mit der Welt sehr zu Hilfe kam. Es war nicht zum erstenmal, daß ihr ein so seltsamer Charakter begegnete, ob er ihr gleich noch niemals auf dieser Höhe erschien. Und doch hatte sie aus der Erfahrung, daß solche Personen durchs  Leben,  durch  mancherlei  Ereignisse,  durch  elterliche  Verhältnisse  gebildet,  eine  sehr angenehme und liebenswürdige Reife erlangen können, indem die Selbstigkeit gemildert wird und die  schwärmende  Tätigkeit  eine  entschiedene  Richtung  erhält.  Charlotte  ließ  als  Mutter  sich  um desto  eher  eine  für  andere  vielleicht  unangenehme  Erscheinung  gefallen,  als  es  Eltern  wohl geziemt, da zu hoffen, wo Fremde nur zu genießen wünschen oder wenigstens nicht belästigt sein wollen. Auf  eine  eigne  und  unerwartete  Weise  jedoch  sollte  Charlotte  nach  ihrer  Tochter  Abreise getroffen werden, indem diese nicht sowohl durch das Tadelnswerte in ihrem Betragen, als durch das,  was  man  daran  lobenswürdig  hätte  finden  können,  eine  üble  Nachrede  hinter  sich  gelassen hatte. Luciane schien sich’s zum Gesetz gemacht zu haben, nicht allein mit den Fröhlichen fröhlich, sondern auch mit den Traurigen traurig zu sein, und um den Geist des Widerspruchs recht zu üben, manchmal die Fröhlichen verdrießlich und die Traurigen heiter zu machen. In allen Familien, wo sie  hinkam,  erkundigte  sie  sich  nach  den  Kranken  und  Schwachen,  die  nicht  in  Gesellschaft erscheinen konnten. Sie besuchte sie auf ihren Zimmern, machte den Arzt und drang einem jeden 78
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum