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Die Wahlverwandtschaften

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Ehrenmann, der den Belisar vorgestellt hatte und freilich reich genug war, von Lucianens Vorzügen hingerissen, denen er nun schon so lange huldigte, unbedachtsam ausrief: So lassen Sie es uns auf polnische Art halten! Kommen Sie nun und zehren mich auch auf, und so geht es dann weiter in die Runde herum. Gesagt, getan: Luciane schlug ein. Den andern Tag war gepackt, und der Schwarm warf   sich   auf   ein   anderes   Besitztum.   Dort   hatte   man   auch   Raum   genug,   aber   weniger Bequemlichkeit und Einrichtung. Daraus entstand manches Unschickliche, das erst Lucianen recht glücklich machte. Das Leben wurde immer wüster und wilder. Treibjagen im tiefsten Schnee und was man sonst nur Unbequemes auffinden konnte, wurde veranstaltet. Frauen  so  wenig  als  Männer  durften  sich  ausschließen,  und  so  zog  man,  jagend  und  reitend, schlittenfahrend  und  lärmend,  von  einem  Gute  zum  andern,  bis  man  sich  endlich  der  Residenz näherte;  da  denn  die  Nachrichten  und  Erzählungen,  wie  man  sich  bei  Hofe  und  in  der  Stadt vergnüge,  der  Einbildungskraft  eine  andere  Wendung  gaben  und  Lucianen  mit  ihrer  sämtlichen Begleitung, indem die Tante schon vorausgegangen war, unaufhaltsam in einen andern Lebenskreis hineinzogen. Aus Ottiliens Tagebuche Man nimmt in der Welt jeden, wofür er sich gibt; aber er muß sich auch für etwas geben. Man erträgt die Unbequemen lieber, als man die Unbedeutenden duldet. Man kann der Gesellschaft alles aufdringen, nur nicht, was eine Folge ha t. Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen; wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren wie es mit ihnen steht. Ich finde es beinahe natürlich, daß wir an Besuchenden mancherlei auszusetzen haben, daß wir sogleich, wenn sie weg sind, über sie nicht zum liebevollsten urteilen: denn wir haben sozusagen ein Recht, sie nach unserm Maßstabe zu messen. Selbst verständige und billige Menschen enthalten sich in solchen Fällen kaum einer scharfen Zensur. Wenn man dagegen bei andern gewesen ist und hat sie mit ihren Umgebungen, Gewohnheiten, in ihren notwendigen unausweichlichen Zuständen gesehen, wie sie um sich wirken, oder wie sie sich fügen, so gehört schon Unverstand und böser Wille dazu, um das lächerlich zu finden, was uns in mehr als einem Sinne ehrwürdig scheinen müßte. Durch das, was wir Betragen und gute Sitten nennen, soll das erreicht werden, was außerdem nur durch Gewalt, oder auch nicht einmal durch Gewalt zu erreichen ist. Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten. Wie kann der Charakter, die Eigentümlichkeit des Menschen, mit der Lebensart bestehen? Das   Eigentümliche   müßte   durch   die   Lebensart   erst   recht   hervorgehoben   werden.   Das Bedeutende will jedermann, nur soll es nicht unbequem sein. Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat. Rohe Kriegsleute gehen wenigstens nicht aus ihrem Charakter, und weil doch meist hinter der Stärke eine Gutmütigkeit verborgen liegt, so ist im Notfall auch mit ihnen auszukommen. Niemand  ist  lästiger  als  ein  täppischer  Mensch  vom  Zivilstande.  Von  ihm  könnte  man  die Feinheit fordern, da er sich mit nichts Rohem zu beschäftigen hat. Wenn wir mit Menschen leben, die ein zartes Gefühl für das Schickliche haben, so wird es uns angst  um  ihretwillen,  wenn  etwas  Ungeschicktes  begegnet.  So  fühle  ich  immer  für  und  mit Charlotten, wenn jemand mit dem Stuhle schaukelt, weil sie das in den Tod nicht leiden kann. Es käme niemand mit der Brille auf der Nase in ein vertrauliches Gemach, wenn er wüßte, daß uns Frauen sogleich die Lust vergeht, ihn anzusehen und uns mit ihm zu unterhalten. Zutraulichkeit  an  der  Stelle  der  Ehrfurcht  ist  immer  lächerlich.  Es  würde  niemand  den  Hut ablegen, nachdem er kaum das Kompliment gemacht hat, wenn er wüßte, wie komisch das aussieht. Es gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte. Die rechte Erziehung wäre, welche dieses Zeichen und den Grund zugleich überlieferte. 77
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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