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Die Wahlverwandtschaften

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Verlangen, diese oben auf dem Gipfel abgebildet zu sehen. Er tat es, obgleich ungern, weil sie zu dem  Charakter  seines  übrigen  Entwurfs  nicht  passen  wollte.  Was  Lucianen  betraf,  so  war  sie endlich   von   ihrer   Ungeduld   erlöst:   denn   ihre   Absicht   war   keineswegs,    eine   gewissenhafte Zeichnung  von  ihm  zu  haben.  Hätte  er  mit  wenigen  Strichen  nur  hinskizziert,  was  etwa  einem Monument  ähnlich  gesehen,  und  sich  die  übrige  Zeit  mit  ihr  abgegeben,  so  wäre  das  wohl  dem Endzweck und ihren Wünschen gemäßer gewesen. Bei seinem Benehmen dagegen kam sie in die größte Verlegenheit: denn ob sie gleich in ihrem Schmerz, ihren Anordnungen und Andeutungen, ihrem  Beifall  über  das  nach  und  nach  Entstehende,  ziemlich  abzuwechseln  suchte  und  sie  ihn einigemal beinahe herumzerrte, um nur mit ihm in eine Art von Verhältnis zu kommen, so erwies er sich doch gar zu steif, dergestalt daß sie allzu oft ihre Zuflucht zur Urne nehmen, sie an ihr Herz drücken und zum Himmel schauen mußte, ja zuletzt, weil sich doch dergleichen Situationen immer steigern, mehr einer Witwe von Ephesus als einer Königin von Karien ähnlich sah. Die Vorstellung zog sich daher in die Länge; der Klavierspieler, der sonst Geduld genug hatte, wußte nicht mehr, in welchen Ton er ausweichen sollte. Er dankte Gott, als er die Urne auf der Pyramide stehn sah und fiel unwillkürlich, als die Königin ihren Dank ausdrücken wollte, in ein lustiges Thema; wodurch die Vorstellung zwar ihren Charakter verlor, die Gesellschaft jedoch völlig aufgeheitert wurde, die sich denn sogleich teilte, der Dame für ihren vortrefflichen Ausdruck und dem Architekten für seine künstliche und zierliche Zeichnung eine freudige Bewunderung zu bewei sen. Besonders der Bräutigam unterhielt sich mit dem Architekten. Es tut mir leid, sagte jener, daß die  Zeichnung  so  vergänglich  ist.  Sie  erlauben  wenigstens,  daß  ich  sie  mir  auf  mein  Zimmer bringen lasse und mich mit Ihnen darüber unterhalte. Wenn es Ihnen Vergnügen macht, sagte der Architekt, so kann ich Ihnen sorgfältige Zeichnungen von dergleichen Gebäuden und Monumenten vorlegen, wovon dieses nur ein zufälliger flüchtiger Entwurf ist. Ottilie stand nicht fern und trat zu den beiden. Versäumen Sie nicht, sagte sie zum Architekten, den Herrn Baron gelegentlich Ihre Sammlung sehen zu lassen: er ist ein Freund der Kunst und des Altertums; ich wünsche, daß Sie sich näher kennen lernen. Luciane kam herbeigefahren und fragte: Wovon ist die Rede? Von einer Sammlung Kunstwerke, antwortete der Baron, welche dieser Herr besitzt und die er uns gelegentlich zeigen will. Er  mag  sie  nur  gleich  bringen,  rief  Luciane.  Nicht  wahr,  Sie  bringen  sie  gleich,  setzte  sie schmeichelnd hinzu, indem sie ihn mit beiden Händen freundlich anfaßte. Es möchte jetzt der Zeitpunkt nicht sein, versetzte der Architekt. Was!  rief  Luciane  gebieterisch:  Sie  wollen  dem  Befehl  Ihrer  Königin  nicht  gehorchen?  Dann legte sie sich auf ein neckisches Bitten. Sein Sie nicht eigensinnig, sagte Ottilie halbleise. Der Architekt entfernte sich mit einer Beugung, sie war weder bejahend noch verneinend. Kaum war er fort, als Luciane sich mit einem Windspiel im Saale herumjagte. Ach! rief sie aus, indem sie zufällig an ihre Mutter stieß: wie bin ich nicht unglücklich! Ich habe meinen Affen nicht mitgenommen; man hat mir es abgeraten, es ist aber nur die Bequemlichkeit meiner Leute, die mich um dieses Vergnügen bringt. Ich will ihn aber nachkommen lassen, es soll mir jemand hin ihn zu holen. Wenn ich nur sein Bildnis sehen könnte, so wäre ich schon vergnügt. Ich will ihn aber gewiß auch malen lassen und er soll mir nicht von der Seite kommen. Vielleicht  kann  ich  dich  trösten,  versetzte  Charlotte,  wenn  ich  dir  aus  der  Bibliothek  einen ganzen Band der wunderlichsten Affenbilder kommen lasse. Luciane schrie vor Freuden laut auf, und der Folioband wurde gebracht. Der Anblick dieser menschenähnlichen und durch den Künstler noch mehr vermenschlichten abscheulichen Geschöpfe machte Lucianen die größte Freude. Ganz glücklich aber fühlte sie sich, bei einem jeden dieser Tiere die Ähnlichkeit mit bekannten Menschen zu finden. Sieht der nicht aus wie der Onkel? rief sie unbarmherzig, der wie der Galanteriehändler M-,  der  wie  der  Pfarrer  S-  und  dieser  ist  der  Dings – der – leibhaftig. Im Grunde sind doch die Affen die eigentlichen Incroyables, und es ist unbegreiflich, wie man sie aus der besten Gesellschaft ausschließen mag. 70
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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