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Die Wahlverwandtschaften

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Vexierspiel. Und obgleich das alles, so wie hernach die Pfänderlösung, auf sie selbst berechnet war, so ging doch von der andren Seite niemand, besonders kein Mann, er mochte von einer Art sein, von welcher er wollte, ganz leer aus; ja es glückte ihr, einige ältere Personen von Bedeutung ganz für sich zu gewinnen, indem sie ihre eben einfallenden Geburts- und Namenstage ausgeforscht hatte und besonders feierte. Dabei kam ihr ein ganz eignes Geschick zustatten, so daß, indem alle sich begünstigt sahen, jeder sich für den am meisten Begünstigten hielt: eine Schwachheit, deren sich sogar der Älteste in der Gesellschaft am allermerklichsten schuldig machte. Schien es bei ihr Plan zu sein, Männer, die etwas vorstellten, Rang, Ansehen, Ruhm oder sonst etwas Bedeutendes für sich hatten, für sich zu gewinnen, Weisheit und Besonnenheit zuschanden zu machen und ihrem wilden wunderlichen Wesen selbst bei der Bedächtlichkeit Gunst zu erwerben; so kam die Jugend doch dabei nicht zu kurz: jeder hatte sein Teil, seinen Tag, seine Stunde, in der sie ihn zu entzücken und zu fesseln wußte. So hatte sie den Architekten schon bald ins Auge gefaßt, der jedoch aus seinem schwarzen langlockigen Haar so unbefangen heraussah, so gerad und ruhig in der Entfernung stand, auf alle Fragen kurz und verständig antwortete, sich aber auf nichts weiter einzulassen  geneigt  schien,  daß  sie  sich  endlich  einmal,  halb  unwillig,  halb  listig,  entschloß,  ihn zum Helden des Tages zu machen und dadurch auch für ihren Hof zu gewinnen. Nicht umsonst hatte sie so vieles Gepäcke mitgebracht, ja es war ihr noch manches gefolgt. Sie hatte  sich  auf  eine  unendliche  Abwechselung  in  Kleidern  vorgesehen.  Wenn  es  ihr  Vergnügen machte,  sich  des  Tags  drei-,  viermal  umzuziehen  und  mit  gewöhnlichen,  in  der  Gesellschaft üblichen Kleidern vom Morgen bis in die Nacht zu wechseln, so erschien sie dazwischen wohl auch einmal  im  wirklichen  Maskenkleid,  als  Bäuerin  und  Fischerin,  als  Fee  und  Blumenmädchen.  Sie verschmähte nicht, sich als alte Frau zu verkleiden, um desto frischer ihr junges Gesicht aus der Kutte hervorzuzeigen; und wirklich verwirrte sie dadurch das Gegenwärtige und das Eingebildete dergestalt, daß man sich mit der Saalnixe verwandt und verschwägert zu sein glaubte. Wozu  sie  aber  diese  Verkleidungen  hauptsächlich  benutzte,  waren  pantomimische  Stellungen und  Tänze,  in  denen  sie  verschiedene  Charaktere  auszudrücken  gewandt  war.  Ein  Kavalier  aus ihrem Gefolge hatte sich eingerichtet, auf dem Flügel ihre Gebärden mit der wenigen nötigen Musik zu begleiten; es bedurfte nur einer kurzen Abrede und sie waren sogleich in Einstimmung. Eines  Tages,  als  man  sie  bei  der  Pause  eines  lebhaften  Balls  auf  ihren  eigenen  heimlichen Antrieb gleichsam aus dem Stegereife zu einer solchen Darstellung aufgefordert hatte, schien sie verlegen   und   überrascht   und   ließ   sich   wider   ihre   Gewohnheit   lange   bitten.   Sie   zeigte   sich unentschlossen,  ließ  die  Wahl,  bat  wie  ein  lmprovisator  um  einen  Gegenstand,  bis  endlich  jener Klavier  spielende  Gehilfe,  mit  dem  es  abgeredet  sein  mochte,  sich  an  den  Flügel  setzte,  einen Trauermarsch  zu  spielen  anfing  und  sie  aufforderte,  jene  Artemisia  zu  geben,  welche  sie  so vortrefflich einstudiert habe. Sie ließ sich erbitten, und nach einer kurzen Abwesenheit erschien sie, bei  den  zärtlich  traurigen  Tönen  des  Totenmarsches,  in  Gestalt  der  königlichen  Witwe,  mit gemessenem  Schritt,  einen  Aschenkrug  vor  sich  hertragend.  Hinter  ihr  brachte  man  eine  große schwarze Tafel und in einer goldenen Reißfeder ein wohlzugeschnitztes  Stück Kreide. Einer   ihrer   Verehrer   und   Adjutanten,   denn   sie   etwas   ins   Ohr   sagte,   ging   sogleich   den Architekten aufzufordern, zu nötigen und gewissermaßen herbeizuschieben, daß er als Baumeister das  Grab  des  Mausolus  zeichnen  und  also  keineswegs  einen  Statisten,  sond ern  einen  ernstlich Mitspielenden  vorstellen  sollte.  Wie  verlegen  der  Architekt  auch  äußerlich  erschien  –  denn  er machte in seiner ganz schwarzen, knappen, modernen Zivilgestalt einen wunderlichen Kontrast mit jenen Flören, Kreppen, Franzen, Schmelzen, Quasten und Kronen –, so faßte er sich doch gleich innerlich, allein um so wunderlicher war es anzusehen. Mit dem größten Ernst stellte er sich vor die große   Tafel,   die   von   ein   paar   Pagen   gehalten   wurde,   und   zeichnete   mit   viel   Bedacht   und Genauigkeit ein Grabmal, das zwar eher einem  longobardischen als einem karischen König wäre gemäß gewesen, aber doch in so schönen Verhältnissen, so ernst in s einen Teilen, so geistreich in seinen Zieraten, daß man es mit Vergnügen entstehen sah, und als es fertig war, bewunderte. Er hatte sich in diesem ganzen Zeitraum fast nicht gegen die Königin gewendet, sondern seinem Geschäft alle Aufmerksamkeit gewidmet. Endlich, als er sich vor ihr neigte und andeutete, daß er nun ihre Befehle vollzogen zu haben glaube, hielt sie ihm noch die Urne hin und bezeichnete das 69
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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