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Die Wahlverwandtschaften

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ihren  Heften  angemerkt,  einiges  mitzuteilen,  wozu  wir  keinen  schicklichern  Übergang  finden  als durch ein Gleichnis, das sich uns beim Betrachten ihrer liebenswürdigen Blätter aufdringt. Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen  Flotte,  vom  stärksten  bis  zum  schwächsten,  sind  dergestalt  gesponnen,  daß  ein  roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone  gehören. Eben  so  zieht  sich  durch  Ottiliens  Tagebuch  ein  Faden  der  Neigung  und  Anhänglichkeit,  der alles  verbindet  und  das  Ganze  bezeichnet.  Dadurch  werden  diese  Bemerkungen,  Betrachtungen, ausgezogenen  Sinnsprüche,  und  was  sonst  vorkommen  mag,  der  Schreibenden  ganz  besonders eigen und für sie von Bedeutung. Selbst jede einzelne von uns ausgewä hlte und mitgeteilte Stelle gibt davon das entschiedenste Zeugnis. Aus Ottiliens Tagebuche Neben  denen  dereinst  zu  ruhen,  die  man  liebt,  ist  die  angenehmste  Vorstellung,  welche  der Mensch  haben  kann,  wenn  er  einmal  über  das  Leben  hinausdenkt.  ›Zu  den  Seinigen  versammelt werden‹ ist ein so herzlicher Ausdruck. Es   gibt   mancherlei   Denkmale   und   Merkzeichen,   die   uns   Entfernte   und   Abgeschiedene näherbringen. Keins ist von der Bedeutung des Bildes. Die Unterhaltung mit einem geliebten Bilde, selbst wenn es unähnlich ist, hat was Reizendes, wie es manchmal etwas Reizendes hat, sich mit einem  Freunde  streiten.  Man  fühlt  auf  eine  angenehme  Weise,  daß  man  zu  zweien  ist  und  doch nicht auseinander kann. Man  unterhält  sich  manchmal  mit  einem  gegenwärtigen  Menschen  als  mit  einem  Bilde.  Er braucht nicht zu sprechen, uns nicht anzusehen, sich nicht mit uns zu beschäftigen: wir sehen ihn, wir fühlen unser Verhältnis zu ihm, ja sogar unsere Verhältnisse zu ihm können wachsen, ohne daß er etwas dazu tut, ohne daß er etwas davon empfindet, daß er sich eben bloß zu uns wie ein Bild verhält. Man ist niemals mit einem Porträt zufrieden von Personen, die man kennt. Deswegen habe ich die  Porträtmaler  immer  bedauert.  Man  verlangt  so  selten  von  den  Leuten  das  Unmögliche,  und gerade  von  diesen  fordert  man’s.  Sie  sollen  einem  jeden  sein  Verhältnis  zu  den  Personen,  seine Neigung und Abneigung mit in ihr Bild aufnehmen; sie sollen nicht bloß darstellen, wie sie einen Menschen fassen, sondern wie jeder ihn fassen würde. Es nimmt mich nicht wunder, wenn solche Künstler  nach  und  nach  verstockt,  gleichgültig  und  eigensinnig  werden.  Daraus  möchte  denn entstehen, was wollte, wenn man nur nicht gerade darüber die Abbildungen so mancher lieben und teuren Menschen entbehren müßte! Es ist wohl wahr, die Sammlung des Architekten von Waffen und alten Gerätschaften, die nebst dem Körper mit hohen Erdhügeln und Felsenstücken zugedeckt waren, bezeugt uns, wie unnütz die Vorsorge  des  Menschen  sei  für  die  Erhaltung  seiner  Persönlichkeit   nach  dem Tode.  Und  so widersprechend sind wir! Der Architekt gesteht, selbst solche Grabhügel der Vorfahren geöffnet zu haben und fährt dennoch fort, sich mit Denkmälern für die Nachkommen zu beschäftigen. Warum soll man es aber so streng nehmen! Ist denn alles, was wir tun, für die Ewigkeit getan? Ziehen  wir  uns  nicht  morgens  an,  um  uns  abends  wieder  auszuziehen?  Verreisen  wir  nicht,  um wiederzukehren? Und warum sollten wir nicht wünschen, neben den Unsrigen zu ruhen, und wenn es auch nur für ein Jahrhundert wäre. Wenn  man  die  vielen  versunkenen,  die  durch  Kirchgänger  abgetretenen  Grabsteine,  die  über ihren Grabmälern selbst zusammengestürzten Kirchen erblickt, so kann einem das Leben nach dem Tode doch immer wie ein zweites Leben vorkommen, in das man nun im Bilde, in der Überschrift eintritt und länger darin verweilt als in dem eigentlichen lebendigen Leben. Aber auch dieses Bild, dieses  zweite  Dasein,  verlischt  früher  oder  später.  Wie  über  die  Menschen  so  auch  über  die Denkmäler läßt sich die Zeit ihr Recht nicht nehmen. 64
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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