Title:

Die Wahlverwandtschaften

Home
deutsch
  
ISBN: B003PP92GA   ISBN: B003PP92GA   ISBN: B003PP92GA   ISBN: B003PP92GA 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

ZWEITER TEIL Erstes Kapitel Im  gemeinen  Leben  begegnet  uns  oft,  was  wir  in  der  Epopöe  als  Kunstgriff  des  Dichters  zu rühmen   pflegen,   daß   nämlich,   wenn   die   Hauptfiguren   sich   entfernen,   verbergen,   sich   der Untätigkeit  hingeben,  gleich  sodann  schon  ein  zweiter,  dritter,  bisher  kaum  Bemerkter  den  Platz füllt,   und   indem   er   seine   ganze   Tätigkeit   äußert,   uns   gleichfalls   der   Aufmerksamkeit,   der Teilnahme, ja des Lobes und Preises würdig erscheint. So zeigte sich gleich nach der Entfernung des Hauptmanns und Eduards jener Architekt täglich bedeutender,  von  welchem  die  Anordnung  und  Ausführung  so  manches  Unternehmens  allein abhing, wobei er sich genau, verständig und tätig erwies und zugleich den Damen auf mancherlei Art beistand und in stillen langwierigen Stunden sie zu unterhalten wußte. Schon sein Äußeres war von der Art, daß es Zutrauen einflößte und Neigung erweckte. Ein Jüngling im vollen Sinne des Worts,  wohlgebaut,  schlank,  eher  ein  wenig  zu  groß,  bescheiden  ohne  ängstlich,  zutraulich  ohne zudringend  zu  sein.  Freudig  übernahm  er  jede  Sorge  und  Bemühung,  und  weil  er  mit  großer Leichtigkeit  rechnete,  so  war  ihm  bald  das  ganze  Hauswesen  kein  Geheimnis,  und  überall  hin verbreitete sich sein günstiger Einfluß. Die Fremden ließ man ihn gewöhnlich empfangen, und er wußte  einen  unerwarteten  Besuch  entweder  abzulehnen  oder  die  Frauen  wenigstens  dergestalt darauf vorzubereiten, daß ihnen keine Unbequemlichkeit daraus entsprang. Unter andern gab ihm eines Tages ein junger Rechtsgelehrter viel zu schaffen, der von einem benachbarten   Edelmann   gesendet   eine   Sache   zur   Sprache   brachte,   die,   zwar   von   keiner sonderlichen Bedeutung, Charlotten dennoch innig berührte. Wir müssen dieses Vorfalls gedenken, weil er verschiedenen Dingen einen Anstoß gab, die sonst vielleicht l ange geruht hätten. Wir erinnern uns jener Veränderung, welche Charlotte mit dem Kirchhofe vorgenommen hatte. Die sämtlichen Monumente waren von ihrer Stelle gerückt und hatten an der Mauer, an dem Sockel der  Kirche  Platz  gefunden.  Der  übrige  Raum  war  geebnet.  Außer  einem  breiten  Wege,  der  zur Kirche  und  an  derselben  vorbei  zu  dem  jenseitigen  Pförtchen  führte,  war  das  übrige  alles  mit verschiedenen  Arten  Klee  besäet,  der  auf  das  schönste  grünte  und  blühte,  Nach  einer  gewissen Ordnung  sollten  vom  Ende  heran  die  neuen  Gräber  bestellt,  doch  der  Platz  jederzeit  wieder verglichen  und  ebenfalls  besäet  werden.  Niemand  konnte  leugnen,  daß  diese  Anstalt  beim  sonn- und festtägigen Kirchgang eine heitere und würdige Ansicht gewä hrte. Sogar der betagte und an alten  Gewohnheiten  haftende  Geistliche,  der  anfänglich  mit  der  Einrichtung  nicht  sonderlich zufrieden  gewesen,  hatte  nunmehr  seine  Freude  daran,  wenn  er  unter  den  alten  Linden,  gleich Philemon,  mit  seiner  Baucis,  vor  der  Hintertür  ruhend,  statt  der  holprigen  Grabs tätten  einen schönen bunten Teppich vor sich sah; der noch  überdies seinem Haushalt zugute kommen sollte, indem Charlotte die Nutzung dieses Fleckes der Pfarre zusichern lassen. Allein  desungeachtet  hatten  schon  manche  Gemeindeglieder  früher  gemißbilligt,  daß  man  die Bezeichnung   der   Stelle,   wo   ihre   Vorfahren   ruhten,   aufgehoben   und   das   Andenken   dadurch gleichsam  ausgelöscht:  denn  die  wohlerhaltenen  Monumente  zeigen  zwar  an,  wer  begraben  sei, aber nicht, wo er begraben sei, und auf das Wo komme es eigentlich an, wie viele behaupteten. Von eben solcher Gesinnung war eine benachbarte Familie, die sich und den Ihrigen einen Raum auf  dieser  allgemeinen  Ruhestätte  vor  mehreren  Jahren  ausbedungen  und  dafür  der  Kirche  eine kleine Stiftung zugewendet hatte. Nun war der junge Rechtsgelehrte abgesendet, um die Stiftung zu widerrufen und anzuzeigen, daß man nicht weiter zahlen werde, weil die Bedingung, unter welcher dieses  bisher  geschehen,  einseitig  aufgehoben  und  auf  alle  Vorstellungen  und  Widerreden  nicht geachtet  worden.  Charlotte,  die  Urheberin  dieser  Veränderung,  wollte  den  jungen  Mann  selbst 60
  
Johann Wolfgang von Goethes "Wetterkugel"
von TechGalerie
Siehe auch:
Johann König - Live! Total Bock auf Remmi Demmi (+CD)
von Johann König (in DVD & Blu-ray)
And in the Endless Pause There Came the Sound of B
von Johann Johannsson (in Musik)
Johann Sebastian Bach für Kinder. CD
von Marko Simsa (in Klassische Musik)
Lafer nimmt ab
von Johann Lafer und Detlef Pape (in Drogerie & Körperpflege)
Bach, Johann Sebastian: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
von Martin Geck (in Musikinstrumente & DJ-Equipment)
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum