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Die Wahlverwandtschaften

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Mittler  stockte.  Eduard  fuhr  fort:  Mein  Schicksal  und  Ottiliens  ist  nicht  zu  trennen,  und  wir werden nicht zu Grunde gehen. Sehen Sie dieses Glas! Unsere Namenszüge sind darein geschnitten. Ein fröhlich Jubelnder warf es in die Luft; niemand sollte mehr daraus trinken; auf dem felsigen Boden  sollte  es  zerschellen,  aber  es  ward  aufgefangen.  Um  hohen  Preis  habe  ich  es  wieder eingehandelt,   und   ich   trinke   nun   täglich   daraus,   um   mich   täglich   zu   überzeugen:   daß   alle Verhältnisse unzerstörlich sind, die das Schicksal beschlossen hat . O  wehe  mir,  rief  Mittler,  was  muß  ich  nicht  mit  meinen  Freunden  für  Geduld  haben!  Nun begegnet  mir  noch  gar  der  Aberglaube,  der  mir  als  das  Schädlichste,  was  bei  den  Menschen einkehren  kann,  verhaßt  bleibt.  Wir  spielen  mit  Voraussagungen,  Ahnungen  und  Träumen  und machen dadurch das alltägliche Leben bedeutend. Aber wenn das Leben nun selbst bedeutend wird, wenn alles um uns sich bewegt und braust, dann wird das Gewitter durch jene Gespenster nur noch fürchterlicher. Lassen Sie in dieser Ungewißheit des Lebens, rief Eduard, zwischen diesem Hoffen und Bangen, dem bedürftigen Herzen doch nur eine Art von Leitstern, nach welchem es hinblicke, wenn es auch nicht darnach steuern kann. Ich  ließe  mir’s  wohl  gefallen,  versetzte  Mittler,  wenn  dabei  nur  einige  Konsequenz  zu  hoffen wäre;  aber  ich  habe  immer  gefunden,  auf  die  warnenden Symptome achtet kein Mensch, auf die schmeichelnden und versprechenden allein ist die Aufmerksamkeit gerichtet und der Glaube für sie ganz allein lebendig. Da  sich  nun  Mittler  sogar  in  die  dunklen  Regionen  geführt  sah,  in  denen  er  sich  immer unbehaglicher fühlte, je länger er darin verweilte, so nahm er den dringenden Wunsch Eduards, der ihn zu Charlotten gehen hieß, etwas williger auf. Denn was wollte er überhaupt Eduarden in diesem Augenblicke noch entgegensetzen? Zeit zu gewinnen, zu erforschen, wie es  um die Frauen stehe, das war es, was ihm selbst nach seinen eignen Gesinnungen zu tun übrig blieb. Er  eilte  zu  Charlotten,  die  er  wie  sonst  gefaßt  und  heiter  fand.  Sie  unterrichtete  ihn  gern  von allem, was vorgefallen war: denn aus Eduards Reden konnte er nur die Wirkung abnehmen. Er trat von  seiner  Seite  behutsam  heran,  konnte  es  aber  nicht  über  sich  gewinnen,  das  Wort  Scheidung auch  nur  im  Vorbeigehn  auszusprechen.  Wie  verwundert,  erstaunt  und,  nach  seiner  Gesinnung, erheitert war er daher, als Charlotte ihm, in Gefolg so manches Unerfreulichen, endlich sagte: Ich muß glauben, ich muß hoffen, daß alles sich wieder geben, daß Eduard sich wieder nähern werde. Wie kann es auch wohl anders sein, da Sie mich guter Hoffnung finden. Versteh’  ich  Sie  recht?  fiel  Mittler  ein.  –  Vollkommen,  versetzte  Charlotte.  –  Tausendmal gesegnet  sei  mir  diese  Nachricht!  rief  er,  die  Hände  zusammenschlagend.  Ich  kenne  die  Stärke dieses  Arguments  auf  ein  männliches  Gemüt.  Wie  viele  Heiraten  sah  ich  dadurch  beschleunigt, befestigt, wieder hergestellt! Mehr als tausend Worte wirkt eine solche gute Hoffnung, die fürwahr die beste Hoffnung ist, die wir haben können. Doch, fuhr er fort, was mich betrifft, so hätte ich alle Ursache,  verdrießlich  zu  sein.  In  diesem  Falle,  sehe  ich  wohl,  wird  meiner  Eigenliebe  nicht geschmeichelt.  Bei  euch  kann  meine  Tätigkeit  keinen  Dank  verdienen.  Ich  komme  mir  vor,  wie jener Arzt, mein Freund, dem alle Kuren gelangen, die er um Gottes willen an Armen tat, der aber selten einen Reichen heilen konnte, der es gut bezahlen wollte. Glücklicherweise hilft sich hier die Sache von selbst, da meine Bemühungen, mein Zureden fruchtlos geblieben wären. Charlotte verlangte nun von ihm, er solle die Nachricht Eduarden bringen, einen Brief von ihr mitnehmen  und  sehen,  was  zu  tun,  was  herzustellen  sei.  Er  wollte  das  nicht  eingehen.  Alles  ist schon  getan,  rief  er  aus.  Schreiben  Sie!  ein  jeder  Bote  ist  so  gut  als  ich.  Muß  ich  doch  meine Schritte hinwenden, wo ich nötiger bin. Ich komme nur wieder, um Glück zu wünschen, ich komme zur Taufe. Charlotte war diesmal, wie schon öfters, über Mittlern unzufrieden. Sein rasches Wesen brachte manches  Gute  hervor,  aber  seine  Übereilung  war  schuld  an  manchem  Mißlingen.  Niemand  war abhängiger von augenblicklich vorgefaßten Meinungen als er. Charlottens Bote kam zu Eduarden, der ihn mit halbem Schrecken empfing. Der Brief konnte ebensogut für Nein als für Ja entscheiden. Er wagte lange nicht, ihn aufzubrechen, und wie stand er betroffen, als er das Blatt gelesen, versteinert bei folgender Stelle, w omit es sich endigte. 58
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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