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Die Wahlverwandtschaften

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Wege   wäre   man   leicht   ins   Grenzenlose   geraten   und   hätte   den   schönen   Zustand   rei chlicher Glücksgüter, ohne sich zeitig genug zu besinnen, durch ein vordringliches Leben und Treiben, wo nicht zerstört, doch erschüttert. Was von Parkanlagen im Gange war, störte sie nicht. Sie ließ vielmehr dasjenige fortsetzen, was zum  Grunde  künftiger  Ausbildung  liegen  mußte;  aber  dabei  hatte  es  auch  sein  Bewenden.  Ihr zurückkehrender Gemahl sollte noch genug erfreuliche Beschäftigung finden. Bei diesen Arbeiten und Vorsätzen konnte sie nicht genug das Verfahren des Architekten loben. Der See lag in kurzer Zeit ausgebreitet vor ihren Augen, und die neuentstandenen Ufer zierlich und mannigfaltig bepflanzt und beraset. An dem neuen Hause ward alle rauhe Arbeit vollbracht; was zur Erhaltung  nötig  war,  besorgt;  und  dann  machte  sie  einen  Abschluß  da,  wo  man  mit  Vergnügen wieder von vorn anfangen konnte. Dabei war sie ruhig und heiter; Ottilie schien es nur: denn in allem beobachtete sie nichts als Symptome, ob Eduard wohl bald erwartet werde, oder nicht. Nichts interessiert sie an allem als diese Betrachtung. Willkommen  war  ihr  daher  eine  Anstalt,  zu  der  man  die  Bauerknaben  versammelte  und  die darauf  abzielte,  den  weitläufig  gewordenen  Park  immer  rein  zu  halten.  Eduard  hatte  schon  den Gedanken gehegt. Man ließ den Knaben eine Art von heiterer Montierung machen, die sie in den Abendstunden anzogen, nachdem sie sich durchaus gereinigt und gesäubert hatten. Die Garderobe war im Schloß; dem verständigsten genausten Knaben vertraute man die Aufsicht an; der Architekt leitete das Ganze, und ehe man sich’s versah, so hatten die Knaben alle ein gewisses Geschick. Man fand  an  ihnen  eine  bequeme  Dressur,  und  sie  verrichteten  ihr  Geschäft  nicht  ohne  eine  Art  von Manöver. Gewiß, wenn sie mit ihren Scharreisen, gestielten Messerklingen, Rechen, kleinen Spaten und Hacken und wedelartigen Besen einherzogen; wenn andre mit Körben hinterdrein kamen, um Unkraut  und  Steine  beiseite  zu  schaffen;  andre  das  hohe,  große,  eiserne  Walzenrad  hinter  sich herzogen:  so  gab  es  einen  hübschen  erfreulichen  Aufzug,  in  welchem  der  Architekt  eine  artige Folge  von  Stellungen  und  Tätigkeiten  für  den  Fries  eines  Gartenhauses  sich  anmerkte;  Ottilie hingegen sah darin nur eine Art von Parade, welche den rückkehrenden Hausherrn bald begrüßen sollte. Dies  gab  ihr  Mut  und  Lust,  ihn  mit  etwas  Ähnlichem  zu  empfangen.  Man  hatte  zeither  die Mädchen des Dorfes im Nähen, Stricken, Spinnen und anderen weiblichen Arbeiten zu ermuntern gesucht.  Auch  diese  Tugenden  hatten  zugenommen  seit  jenen  Anstalten  zu  Reinlichkeit  und Schönheit  des  Dorfes.  Ottilie  wirkte  stets  mit  ein;  aber  mehr  zufällig,  nach  Gelegenheit  und Neigung.  Nun  gedachte  sie  es  vollständiger  und  folgerechter  zu  machen.  Aber  aus  einer  Anzahl Mädchen läßt sich kein Korps bilden wie aus einer Anzahl Knaben. Sie folgte ihrem guten Sinne, und   ohne   sich’s   ganz   deutlich   zu   machen,   suchte   sich   nichts,   als   einem   jeden   Mädchen Anhänglichkeit an sein Haus, seine Eltern und seine Geschwister einzu flößen. Das gelang ihr mit vielen. Nur über ein kleines lebhaftes Mädchen wurde immer geklagt, daß sie ohne Geschick sei, und im Hause nun ein für allemal nichts tun wolle. Ottilie konnte dem Mädchen nicht feind sein, denn ihr war es besonders freundlich. Zu ihr zog es sich, mit ihr ging und lief es, wenn sie es erlaubte. Da war es tätig, munter und unermüdet. Die Anhänglichkeit an eine schöne Herrin schien dem Kinde Bedürfnis zu sein. Anfänglich duldete Ottilie die Begleitung des Kindes; dann faßte sie selbst Neigung zu ihm; endlich trennten sie sich nicht mehr, und Nanny begleitete ihre Herrin überall hin. Diese  nahm  öfters  den  Weg  nach  dem  Garten  und freute sich über das schöne Gedeihen. Die Beeren- und Kirschenzeit ging zu Ende, deren Spätlinge jedoch Nanny sich besonders schmecken ließ. Bei dem übrigen Obste, das für den Herbst eine so reichliche Ernte versprach, gedachte der Gärtner beständig des Herrn, und niemals, ohne ihn herbeizuwünschen. Er verstand sein Handwerk vollkommen und hörte nicht auf, ihr von Eduard vorzusprechen. Als  Ottilie  sich  freute,  daß  die  Pfropfreiser  dieses  Frühjahrs  alle  so  gar  schön  gekommen, erwiderte der Gärtner bedenklich: Ich wünsche nur, daß der gute Herr viel Freude daran erleben möge. Wäre er diesen Herbst hier, so würde er sehen, was für köstliche Sorten noch von seinem Herrn  Vater  her  im  alten  Schloßgarten  stehen.  Die  jetzigen  Herren  Obstgärtner  sind  nicht  so zuverlässig, als sonst die Kartäuser waren. In den Katalogen findet man wohl lauter honette Namen. 54
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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