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Die Wahlverwandtschaften

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unsre eigenen Freunde sein, unsre eigenen Hofmeister. Niemand erwartet von uns, daß wir uns in ein Äußerstes verlieren werden, niemand erwartet, uns tadelnswert oder gar lächerlich zu finden. Kannst du mir’s verdenken, versetzte Eduard, der die offne reine Sprache seiner Gattin nicht zu erwidern vermochte, kannst du mich schelten, wenn mir Ottiliens Glück am Herzen liegt? und nicht etwa  ein  künftiges,  das  immer  nicht  zu  berechnen  ist,  sondern  ein  gegenwärtiges?  Denke  dir, aufrichtig und ohne Selbstbetrug, Ottilien aus unserer Gesellschaft gerissen, und fremden Menschen untergeben  –  ich  wenigstens  fühle  mich  nicht  grausam  genug,  ihr  eine  solche  Veränderung zuzumuten. Charlotte ward gar wohl die Entschlossenheit ihres Gemahls hinter seiner Verstellung gewahr. Erst jetzt fühlte sie, wie weit er sich von ihr entfernt hatte. Mit einiger Bewegung rief sie aus: Kann Ottilie  glücklich  sein,  wenn  sie  uns  entzweit!  wenn  sie  mir  einen  Gatten,  seinen  Kindern  einen Vater entreißt! Für unsere Kinder, dächte ich, wäre gesorgt, sagte Eduard lä chelnd und kalt; etwas freundlicher aber fügte er hinzu: wer wird auch sogleich das Äußerste denken ! Das Äußerste liegt der Leidenschaft zuallernächst, bemerkte Charlotte. Lehne, solange es noch Zeit ist, den guten Rat nicht ab, nicht die Hilfe, die ich uns biete. In  trüben Fällen muß derjenige wirken  und  helfen,  der  am  klarsten  sieht.  Diesmal  bin  ich’s.  Lieber,  liebster  Eduard,  laß  mich gewähren!  Kannst  du  mir  zumuten,  daß  ich  auf  mein  wohlerworbenes  Glück,  auf  die  schönsten Rechte, auf dich so geradehin Verzicht leisten soll? Wer sagt das? versetzte Eduard mit einiger Verlegenheit. Du selbst, versetzte Charlotte: indem du Ottilien in der Nähe behalten willst, gestehst du nicht alles  zu,  was  daraus  entspringen  muß?  Ich  will  nicht  in  dich  dringen;  aber  wenn  du  dich  nicht überwinden kannst, so wirst du wenigstens dich nicht lange mehr betrügen können. Eduard  fühlte,  wie  recht  sie  hatte.  Ein  ausgesprochnes  Wort  ist  fürchterlich,  wenn  es  das  auf einmal   ausspricht,   was   das   Herz   lange   sich   erlaubt   hat;   und   um   nur   für   den   Augenblick auszuweichen, erwiderte Eduard: Es ist mir ja noch nicht einmal klar, was du vorhast. Meine  Absicht  war,  versetzte  Charlotte,  mit  dir  die  beiden  Vorschläge  zu  überlegen.  Beide haben  viel  Gutes.  Die  Pension  würde  Ottilien  am  gemäßesten  sein,  wenn  ich  betrachte,  wie  das Kind  jetzt  ist.  Jene  größere  und  weitere  Lage  verspricht  aber  mehr,  wenn  ich  bedenke,  was  sie werden soll. Sie legte darauf umständlich ihrem Gemahl die beiden Verhältnisse dar und schloß mit den Worten: Was meine Meinung betrifft, so würde ich das Haus jener Dame der Pension vorziehen aus mehreren Ursachen, besonders aber auch, weil ich die Neigung, ja die Leidenschaft des jungen Mannes, den Ottilie dort für sich gewonnen, nicht vermehren will. Eduard  schien  ihr  Beifall  zu  geben,  nur  aber  um  einigen  Aufschub  zu  suchen.  Charlotte,  die darauf  ausging  etwas  Entscheidendes  zu  tun,  ergriff  sogleich  die  Gelegenheit,  als  Eduard  nicht unmittelbar widersprach, die Abreise Ottiliens, zu der sie schon alles im stillen vorbereitet hatte, auf die nächsten Tage festzusetzen. Eduard   schauderte;   er   hielt   sich   für   verraten   und   die   liebevolle   Sprache   seiner   Frau   für ausgedacht, künstlich und planmäßig, um ihn auf ewig von seinem Glücke zu trennen. Er schien ihr die Sache ganz zu überlassen; allein schon war innerlich sein Entschluß gefaßt. Um nur zu Atem zu kommen,   um   das   bevorstehende   unabsehliche   Unheil   der   Entfernung   Ottiliens   abzuwenden, entschied er sich, sein Haus zu verlassen, und zwar nicht ganz ohne Vorbewußt Charlottens, die er jedoch durch die Einleitung zu täuschen verstand, daß er bei Ottil iens Abreise nicht gegenwärtig sein, ja sie von diesem Augenblick an nicht mehr sehen wolle. Charlotte, die gewonnen zu haben glaubte,  tat  ihm  allen  Vorschub.  Er  befahl  seine  Pferde,  gab  dem  Kammerdiener  die  nötige Anweisung, was er einpacken und wie er ihm folgen solle, und so, wie schon im Stegreife, setzte er sich hin und schrieb. Eduard an Charlotten 51
  
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