Titel:

Die Wahlverwandtschaften

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

erinnert ihn, was man dem Geretteten und dem Retter schuldig sei. Der Chirurgus wird schon seine Pflicht  tun,  versetzte  Eduard.  Er  ist  mit  allem  versehen,  und  unser  Zudringen  wäre  nur  eine hinderliche Teilnahme. Charlotte   bestand   auf   ihrem   Sinne   und   winkte   Ottilien,   die   sich   sogleich   zum   Weggehn anschickte. Eduard ergriff ihre Hand und rief: Wir wollen diesen Tag nicht im Lazarett endigen! Zur Barmherzigen Schwester ist sie zu gut. Auch ohne uns werden die Scheintoten erwachen und die Lebendigen sich abtrocknen. Charlotte schwieg und ging. Einige folgten ihr, andere diesen; endlich w ollte niemand der letzte sein, und so folgten alle. Eduard und Ottilie fanden sich allein unter den Platanen. Er bestand darauf zu bleiben, so dringend, so ängstlich sie ihn auch bat, mit ihr nach dem Schlosse zurückzukehren. Nein, Ottilie! rief er: das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem gewöhnlichem Wege. Dieser überraschende Vorfall von heute abend bringt uns schneller zusammen. Du bist die Meine! Ich habe dir’s schon so oft gesagt und geschworen; wir wollen es nicht mehr sagen und schwören, nun soll es werden. Der  Kahn  von  der  andern  Seite  schwamm  herüber.  Es  war  der  Kammerdiener,  der  verlegen anfragte: was nunmehr mit dem Feuerwerk werden sollte. Brennt es ab! rief er ihm entgegen. Für dich allein war es bestellt, Ottilie, und nun sollst du es auch allein sehen! Erlaube mir, an deiner Seite sitzend, es mitzugenießen. Zärtlich bescheiden setzte er sich neben sie, ohne s ie zu berühren. Raketen    rauschten    auf,    Kanonenschläge    donnerten,    Leuchtkugeln    stiegen,    Schwärmer schlängelten  und  platzten,  Räder  gischten,  jedes  erst einzeln, dann gepaart, dann alle zusammen, und  immer  gewaltsamer  hintereinander  und  zusammen.  Eduard,  dessen  Busen  brannte,  verfolgte mit lebhaft zufriedenem Blick diese feurigen Erscheinungen. Ottiliens zartem aufgeregtem Gemüt war  dieses  rauschende  blitzende  Entstehen  und  Verschwinden  eher  ängstlich  als  angenehm.  Sie lehnte sich schüchtern an Eduard, dem diese Annäherung, dieses Zutrauen das volle Gefühl gab, daß sie ihm ganz angehöre. Die Nacht war kaum in ihre Rechte wieder eingetreten, als der Mond aufging und die Pfade der beiden Rückkehrenden beleuchtete. Eine Figur, den Hut in der Hand, vertrat ihnen den Weg und sprach sie um ein Almosen an, da er an diesem festlichen Tage versäumt worden sei. Der Mond schien  ihm  ins  Gesicht,  und  Eduard  erkannte  die  Züge  jenes  zudringlichen  Bettlers.  Aber  so glücklich wie er war, konnte er nicht ungehalten sein, konnte es ihm nicht einfallen, daß besonders für heute das Betteln höchlich verpönt worden. Er forschte nicht lange in der Tasche und gab ein Goldstück hin. Er hätte jeden gern glücklich gemacht, da sein Glück ohne Grenzen schien. Zu Hause war indes alles erwünscht gelungen. Die Tätigkeit des Chirurgen, die Bereitschaft alles Nötigen, der Beistand Charlottens, alles wirkte zusammen, und der Knabe ward wieder zum Leben hergestellt.  Die  Gäste  zerstreuten  sich,  sowohl  um  noch  etwas  vom  Feuerwerk  aus  der  Ferne  zu sehen, als auch, um nach solchen verworrnen Szenen ihre ruhige Heimat wieder zu betreten. Auch  hatte  der  Hauptmann,  geschwind  umgekleidet,  an  der  nötigen  Vorsorge  tätigen  Anteil genommen;   alles   war   beruhigt,   und   er   fand   sich   mit   Charlotten   allein.   Mit   zutraulicher Freundlichkeit erklärte er nun, daß seine Abreise nahe bevorstehe. Sie hatte diesen Abend so viel erlebt, daß diese Entdeckung wenig Eindruck auf sie machte; sie hatte gesehen, wie der Freund sich aufopferte, wie er rettete und selbst gerettet war. Diese wunderbaren Ereignisse schienen ihr eine bedeutende Zukunft, aber keine unglückliche zu weissagen. Eduarden,   der   mit   Ottilien   hereintrat,   wurde   die   bevorstehende   Abreise   des   Hauptmanns gleichfalls angekündigt. Er argwohnte, daß Charlotte früher um das Nähere gewußt habe, war aber viel zu sehr mit sich und seinen Absichten beschäftigt, als daß er es hätte ü bel empfinden sollen. Im  Gegenteil  vernahm  er  aufmerksam  und  zufrieden die gute und ehrenvolle Lage, in die der Hauptmann versetzt werden solle. Unbändig drangen seine geheimen Wünsche den Begebenheiten vor. Schon sah er jenen mit Charlotten verbunden, sich mit Ottilien. Man hätte ihm zu diesem Fest kein größeres Geschenk machen können. Aber wie erstaunt war Ottilie, als sie auf ihr Zimmer trat und den köstlichen kleinen Koffer auf ihrem  Tische  fand.  Sie  säumte  nicht,  ihn  zu  eröffnen.  Da  zeigte  sich  alles  so  schön  gepackt  und geordnet,  daß  sie  es  nicht  auseinander  zu  nehmen,  ja  kaum  zu  lüften  wagte.  Musselin,  Battist, 49
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum