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Die Wahlverwandtschaften

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auch  der  Name  Ottiliens  im  Giebelfelde  glänzte.  Er  wußte  dieses  Beginnen  auf  eine  geschickte Weise abzulehnen und die schon fertigen Blumenbuchstaben beiseite zu bringen. Der Kranz war aufgesteckt und weit umher in der Gegend sichtbar. Bunt flatterten die Bänder und   Tücher   in   der   Luft,   und   eine   kurze   Rede   verscholl   zum   größten   Teil   im   Winde.   Die Feierlichkeit war zu Ende, der Tanz auf dem geebneten und mit Lauben umkreiseten Platze vor dem Gebäude   sollte   nun   angehen.   Ein   schmucker   Zimmergeselle   führte   Eduarden   ein   flinkes Bauernmädchen  zu  und  forderte  Ottilien  auf,  welche  daneben  stand.  Die  beiden  Paare  fanden sogleich ihre Nachfolger, und bald genug wechselte Eduard, indem er Ottilien ergriff und mit ihr die Runde machte. Die jüngere Gesellschaft mischte sich fröhlich in den Tanz des Volks, indes die Ältern beobachteten. Sodann,  ehe  man  sich  auf  den  Spaziergängen  zerstreute,  ward  abgeredet,  daß  man  sich  mit Untergang  der  Sonne  bei  den  Platanen  wieder  versammeln  wolle.  Eduard  fand  sich  zuerst  ein, ordnete alles und nahm Abrede mit dem Kammerdiener, der auf der andern Seite, in Gesellschaft des Feuerwerkers, die Lusterscheinungen zu besorgen hatte. Der  Hauptmann  bemerkte  die  dazu  getroffenen  Vorrichtungen  nicht  mit  Vergnügen;  er  wollte wegen  des  zu  erwartenden  Andrangs  der  Zuschauer  mit  Eduard  sprechen,  als  ihn  derselbe  etwas hastig bat, er möge ihm diesen Teil der Feierlichkeit doch allein überlassen. Schon hatte sich das Volk auf die oberwärts abgestochenen und vom Rasen entblößten Dämme gedrängt, wo das Erdreich uneben und unsicher war. Die Sonne ging unter, die Dämmerung trat ein, und in Erwartung größerer Dunkelheit wurde die Gesellschaft unter den Platanen mit Erfrischungen bedient.  Man  fand  den  Ort  unvergleichlich  und  freute  sich  in  Gedanken,  künftig  von  hier  die Aussicht auf einen weiten und so mannigfaltig begrenzten See zu genießen. Ein   ruhiger   Abend,   eine   vollkommene   Windstille   versprachen   das   nächtliche   Fest   zu begünstigen,  als  auf  einmal  ein  entsetzliches  Geschrei  entstand.  Große  Schollen  hatten  sich  vom Damme   losgetrennt,   man   sah   mehrere   Menschen   ins   Wasser   stürzen.   Das   Erdreich   hatte nachgegeben  unter  dem  Drängen  und  Treten  der  immer  zunehmenden  Menge.  Jeder  wollte  den besten Platz haben, und nun konnte niemand vorwärts noch zurück. Jedermann sprang auf und hinzu, mehr um zu schauen als zu tun: denn was war da zu tun, wo niemand hinreichen konnte. Nebst einigen Entschlossenen eilte der Hauptmann, trieb sogleich die Menge von dem Damm herunter nach den Ufern, um den Hilfreichen freie Hand zu geben, welche die Versinkenden herauszuziehen suchten. Schon waren alle, teils durch eignes, teils durch fremdes Bestreben, wieder auf dem Trocknen, bis auf einen Knaben, der durch allzu ängstliches Bemühen, statt sich dem Damm zu nähern, sich davon entfernt hatte. Die Kräfte schienen ihm zu verlassen, nur einigemal kam noch eine Hand, ein Fuß in die Höhe. Unglücklicherweise war der Kahn auf der andern Seite, mit Feuerwerk gefüllt, nur langsam konnte man ihn ausladen, und die Hilfe verzögerte sich.  Des  Hauptmanns  Entschluß  war  gefaßt,  er  warf  die  Oberkleider  weg,  aller  Augen  richteten sich auf ihn, und seine tüchtige kräftige Gestalt flößte jedermann Zutrauen ein; aber ein Schrei der Überraschung drang aus der Menge hervor, als er sich ins Wasser stürzte. Jedes Auge begleitete ihn,  der  als  geschickter  Schwimmer  den  Knaben  bald  erreichte,  und  ihn,  jedoch  für  tot,  an  den Damm brachte. Indessen  ruderte  der  Kahn  herbei,  der  Hauptmann  bestieg  ihn  und  forschte  genau  von  den Anwesenden, ob denn auch wirklich alle gerettet seien. Der Chirurgus kommt und übernimmt den totgeglaubten Knaben; Charlotte tritt hinzu, sie bittet den Hauptmann, nur für sich zu sorgen, nach dem   Schlosse   zurückzukehren   und   die   Kleider   zu   wechseln.   Er   zaudert,   bis   ihm   gesetzte verständige  Leute,  die  ganz  nahe  gegenwärtig  gewesen,  die  selbst  zur  Rettung  der  einzelnen beigetragen, auf das heiligste versichern, daß alle gerettet seien. Charlotte sieht ihn nach Hause gehen, sie denkt, daß Wein und Tee und was sonst nötig wäre, verschlossen ist, daß in solchen Fällen die Menschen gewöhnlich verkehrt handeln; sie eilt durch die  zerstreute  Gesellschaft,  die  sich  noch  unter  den  Platanen  befindet;  Eduard  ist  beschäftigt jedermann  zuzureden:  man  soll  bleiben;  in  kurzem  gedenkt  er  das  Zeichen  zu  geben  und  das Feuerwerk  soll  beginnen;  Charlotte  tritt  hinzu  und  bittet  ihn,  ein  Vergnügen  zu  verschieben,  das jetzt nicht am Platze sei, das in dem gegenwärtigen Augenblick nicht genossen werden könne; sie 48
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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