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Die Wahlverwandtschaften

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Ottilie, getragen durch das Gefühl ihrer Unschuld, auf dem Wege zu dem erwünschtesten Glück, lebt nur für Eduard. Durch die Liebe zu ihm in allem Guten gestärkt, um seinetwillen freudiger in ihrem Tun, aufgeschlossener gegen andre, findet sie sich in einem Himmel auf Erden. So  setzen  alle  zusammen,  jeder  auf  seine  Weise,  das  tägliche  Leben  fort,  mit  und  ohne Nachdenken;  alles  scheint  seinen  gewöhnlichen  Gang  zu  gehen,  wie  man  auch  in  ungeheuren Fällen, wo alles auf dem Spiele steht, noch immer so fortlebt, als wenn von nichts die Rede wäre. Vierzehntes Kapitel Von  dem  Grafen  war  indessen  ein  Brief  an  den  Hauptmann  angekommen,  und  zwar  ein doppelter,  einer  zum  Vorzeigen,  der  sehr  schöne  Aussichten  in  die  Ferne  darwies,  der  andre hingegen, der ein entschiedenes Anerbieten für die Gegenwart enthielt, eine bedeutende Hof- und Geschäftsstelle,  den  Charakter  als  Major,  ansehnlichen  Gehalt  und  andre  Vorteile,  sollte  wegen verschiedener  Nebenumstände  noch  geheimgehalten  werden.  Auch  unterrichtete  der  Hauptmann seine Freunde nur von jenen Hoffnungen und verbarg, was so nahe bevorsta nd. Indessen   setzte   er   die   gegenwärtigen   Geschäfte   lebhaft   fort   und   machte   in   der   Stille Einrichtungen, wie alles in seiner Abwesenheit ungehinderten Fortgang haben könnte. Es ist ihm nun selbst daran gelegen, daß für manches ein Termin bestimmt werde, daß Ottiliens Geburtstag manches    beschleunige.    Nun    wirken    die    beiden    Freunde,    obschon    ohne    ausdrückliches Einverständnis, gern zusammen. Eduard ist nun recht zufrieden, daß man durch das Vorauserheben der Gelder die Kasse verstärkt hat; die ganze Anstalt rückt auf da s rascheste vorwärts. Die  drei  Teiche  in  einen  See  zu  verwandeln  hätte  jetzt  der  Hauptmann  am  liebsten  ganz widerraten. Der untere Damm war zu verstärken, die mittlern abzutragen, und die ganze Sache in mehr  als  einem  Sinne  wichtig  und  bedenklich.  Beide  Arbeiten  aber,  wie  sie  ineinander  wirken konnten,  waren  schon  anfangen,  und  hier  kam  ein  junger  Architekt,  ein  ehemaliger  Zögling  des Hauptmanns,  sehr  erwünscht,  der  teils  mit  Anstellung  tüchtiger  Meister,  teils  mit  Verdingen  der Arbeit,  wo  sich’s  tun  ließ,  die  Sache  förderte  und  dem  Werke  Sicherheit  und  Dauer  versprach; wobei sich der Hauptmann im stillen freute, daß man seine Entfernung nicht fühlen würde. Denn er hatte  den  Grundsatz,  aus  einem  übernommenen  unvollendeten Geschäft nicht zu scheiden, bis er seine Stelle genugsam ersetzt sähe. Ja er verachtete diejenigen, die, um ihren Abgang fühlbar zu machen, erst noch Verwirrung in ihrem Kreise anrichten, indem sie als ungebildete Selbstler das zu zerstören wünschen, wobei sie nicht mehr fortwirken sollen. So arbeitete man immer mit Anstrengung, um Ottiliens Geburtstag zu verherrlichen, ohne daß man  es  aussprach  oder  sich’s  recht  aufrichtig  bekannte.  Nach  Charlottens  obgleich  neidlosen Gesinnungen   konnte   es   doch   kein   entschiedenes   Fest   werden.   Die   Jugend   Ottiliens,   ihre Glücksumstände,  das  Verhältnis  zur  Familie  berechtigten  sie,  nicht  als  Königin  eines  Tages  zu erscheinen.   Und   Eduard   wollte   nicht   davon   gesprochen   haben,   weil   alles   wie   von   selbst entspringen, überraschen und natürlich erfreuen sollte. Alle  kamen  daher  stillschweigend  in  dem  Vorwande  überein,  als  wenn  an  diesem  Tage,  ohne weitere Beziehung, jenes Lusthaus gerichtet werden sollte, und bei diesem Anlaß konnte man dem Volk so wie den Freunden ein Fest ankündigen. Eduards Neigung war aber grenzenlos. Wie er sich Ottilien zuzueignen begehrte, so kannte er auch  kein  Maß  des  Hingebens,  Schenkens,  Versprechens.  Zu  einigen  Gaben,  die  er  Ottilien  an diesem Tage verehren wollte, hatte ihm Charlotte viel zu ärmliche Vorschläge getan. Er sprach mit seinem Kammerdiener, der seine Garderobe besorgte und mit Handelsleuten und Modehändlern in beständigem Verhältnis blieb; dieser, nicht unbekannt sowohl mit den angenehmsten Gaben selbst als mit der besten Art, sie zu überreichen, bestellte sogleich in der Stad t den niedlichsten Koffer mit rotem Saffian überzogen, mit Stahlnägeln beschlagen und angefüllt mit Geschenken, einer solchen Schale würdig. 46
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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