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Die Wahlverwandtschaften

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sehen, allein zu sehen, ehe noch Charlotte mit  dem Hauptmann zurückkäme. Es ward Nacht, die Kerzen wurden angezündet. Endlich trat sie herein, glänzend von Liebenswürdigkeit. Das Gefühl, etwas für den Freund getan zu haben, hatte ihr ganzes Wesen über sich selbst gehoben. Sie legte das Original und die Abschrift vor Eduard auf den Tisch. Wollen wir kollationieren? sagte sie lächelnd. Eduard wußte nicht, was er erwidern sollte. Er sah sie an, er besah die Abschrift. Die ersten Blätter waren mit der größten Sorgfalt, mit einer zarten weiblichen Hand geschrieben; dann schienen sich die Züge zu verändern, leichter  und  freier  zu  werden:  aber  wie  erstaunt  war  er,  als  er  die  letzten  Seiten  mit  den  Augen überlief! Um Gottes willen! rief er aus, was ist das? Das ist meine Hand! Er sah Ottilien an und wieder auf die Blätter; besonders der Schluß war  ganz, als wenn er ihn selbst geschrieben hätte. Ottilie schwieg, aber sie blickte ihm mit der größten Zufriedenheit in die Augen. Eduard hob seine Arme empor: Du liebst mich! rief er aus: Ottilie, du liebst mich! und sie hielten einander umfaßt. Wer das andere zuerst ergriffen, wäre nicht zu unterscheiden gewesen. Von  diesem  Augenblick  an  war  die  Welt  für  Eduarden  umgewendet,  er  nicht  mehr,  was  er gewesen, die Welt nicht mehr, was sie gewesen. Sie standen voreinander, er hielt ihre Hände, sie sahen einander in die Augen, im Begriff sich wieder zu umarmen. Charlotte    mit    dem    Hauptmann    trat    herein.    Zu    den    Entschuldigungen    eines    längeren Außenbleibens lächelte Eduard heimlich. O wie viel zu früh kommt ihr! sagte er zu sich selbst. Sie setzten sich zum Abendessen. Die Personen des heutigen Besuchs wurden beurteilt. Eduard, liebevoll aufgeregt, sprach gut von einem jeden, immer schonend, oft billigend. Charlotte, die nicht durchaus seiner Meinung war, bemerkte diese Stimmung und scherzte mit ihm, daß er, der sonst über die scheidende Gesellschaft immer das strengste Zungengericht ergehen lasse, heute so mild und nachsichtig sei. Mit Feuer und herzlicher Überzeugung rief Eduard: Man muß nur ein Wesen recht von Grund aus lieben, da kommen einem die übrigen alle liebenswürdig vor! Ottilie schlug die Augen nieder, und Charlotte sah vor sich hin. Der Hauptmann nahm das Wort und sagte: Mit den Gefühlen der Hochachtung, der Verehrung, ist es doch auch etwas Ähnliches. Man erkennt nur erst das Schätzenswerte in der Welt, wenn man solche Gesinnungen an einem Gegenstande zu üben Gelegenheit findet. Charlotte  suchte  bald  in  ihr  Schlafzimmer  zu  gelangen,  um  sich  der  Erinnerung  dessen  zu überlassen, was diesen Abend zwischen ihr und dem Hauptmann vorgegangen war. Als   Eduard   ans   Ufer   springend   den   Kahn   vom   Lande   stieß,   Gattin   und   Freund   dem schwankenden  Element  selbst  überantwortete,  sah  nunmehr  Charlotte  den  Mann,  um  den  sie  im stillen schon so viel gelitten hatte, in der Dämmerung vor sich sitzen und durch die Führung zweier Ruder  das  Fahrzeug  in  beliebiger  Richtung  fortbewegen.  Sie  empfand  eine  tiefe,  selten  gefühlte Traurigkeit.  Das  Kreisen  des  Kahns,  das  Plätschern  der  Ruder,  der  über  den  Wasserspiegel hinschauernde Windhauch, das Säuseln der Rohre, das letzte Schweben der Vögel, das Blinken und Widerblinken  der  ersten  Sterne,  alles  hatte  etwas  Geisterhaftes  in  dieser  allgemeinen  Stille.  Es schien ihr, der Freund führe sie weit weg, um sie auszusetzen, sie allein zu lassen. Eine wunderbare Bewegung war in ihrem Innern, und sie konnte nicht weinen. Der Hauptmann beschrieb ihr unterdessen, wie nach seiner Absicht die Anlagen werden sollten. Er rühmte die guten Eigenschaften des Kahns, daß er sich leicht mit zwei Rudern von einer Person bewegen  und  regieren  lasse.  Sie  werde  das  selbst  lernen,  es  sei  eine  angenehme  Empfindung, manchmal allein auf dem Wasser hinzuschwimmen und sein eigener Fähr- und Steuermann zu sein. Bei  diesen  Worten  fiel  der  Freundin  die  bevorstehende  Trennung  aufs  Herz.  Sagt  er  das  mit Vorsatz? dachte sie bei sich selbst: Weiß er schon davon? vermutet er’s? oder sagt er es zufällig, so daß  er  mir  bewußtlos  mein  Schicksal  vorausverkündigt?  Es  ergriff  sie  eine  große  Wehmut,  eine Ungeduld; sie bat ihn, baldmöglichst zu landen und mit ihr nach dem Schlosse zurückzukehren. Es war das erstemal, daß der Hauptmann die Teiche befuhr, und ob er gleich im allgemeinen ihre Tiefe untersucht hatte, so waren ihm doch die einzelnen Stellen unbekannt. Dunkel fing es an zu werden, er richtete seinen Lauf dahin, wo er einen bequemen Ort zum Aussteigen vermutete und den Fußpfad nicht entfernt wußte, der nach dem Schlosse führte. Aber auch von dieser Bahn wurde 42
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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