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Die Wahlverwandtschaften

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Eduard  begleitete  den  Grafen  auf  sein  Zimmer  und  ließ  sich  recht  gern  durchs  Gespräch verführen, noch eine Zeitlang bei ihm zu bleiben. Der Graf verlor sich in vorige Zeiten, gedachte mit Lebhaftigkeit an die Schönheit Charlottens, die er als ein Kenner mit vielem Feuer entwickelte. Ein schöner Fuß ist eine große Gabe der Natur. Diese Anmut ist unverwüstlich. Ich habe sie heute im   Gehen   beobachtet;   noch   immer   möchte   man   ihren   Schuh   küssen,   und   die   zwar   etwas barbarische,  aber  doch  tief  geführte  Ehrenbezeugung  der  Sarmaten  wiederholen,  die  sich  nichts Bessers  kennen,  als  aus  dem  Schuh  einer  geliebten  und  verehrten  Person  ihre  Gesundheit  zu trinken. Die  Spitze  des  Fußes  blieb  nicht  allein  der  Gegenstand  des  Lobes  unter  zwei  vertrauten Männern. Sie gingen von der Person auf alte Geschichten und Abenteuer zurück und kamen auf die Hindernisse,  die  man  ehemals  den  Zusammenkünften  dieser  beiden  Liebenden  entgegengesetzt, welche Mühe sie sich gegeben, welche Kunstgriffe sie erfunden, nur um sich sagen zu können, daß sie sich liebten. Erinnerst  du  dich,  fuhr  der  Graf  fort,  welche  Abenteuer  ich  dir  recht  freundschaftlich  und uneigennützig  bestehen  helfen,  als  unsre  höchsten  Herrschaften  ihren  Oheim  besuchten  und  auf dem  weitläufigen  Schlosse  zusammenkamen?  Der  Tag  war  in  Feierlichkeiten  und  Feierkleidern hingegangen; ein Teil der Nacht sollte wenigstens unter freiem liebevollen Gespräch verstreichen. Den Hinweg zu dem Quartier der Hofdamen hatten Sie sich wohl gemerkt, sagte Eduard. Wir gelangten glücklich zu meiner Geliebten. Die, versetzte der Graf, mehr an den Anstand als an meine Zufriedenheit gedacht und eine sehr häßliche Ehrenwächterin bei sich behalten hatte; da mir denn, indessen ihr euch mit Blicken und Worten sehr gut unterhieltet, ein höchst unerfreuliches Los zuteil ward . Ich habe mich noch gestern, versetzte Eduard, als Sie sich anmelden ließen, mit meiner Frau an die Geschichte erinnert, besonders an unsern Rückzug. Wir verfehlten den Weg und kamen an den Vorsaal der Garden. Weil wir uns nun von da recht gut zu finden wußten, so glaubten wir auc h hier ganz ohne Bedenken hindurch und an dem Posten, wie an den übrigen, vorbei gehen zu können. Aber wie groß war beim Eröffnen der Türe unsere Verwunderung! Der Weg war mit Matratzen verlegt, auf denen die Riesen in mehreren Reihen ausgestreckt lagen und schliefen. Der einzige Wachende auf dem Posten sah uns verwundert an;  wir  aber  im  jugendlichen  Mut  und  Mutwillen  stiegen  ganz  gelassen  über  die  ausgestreckten Stiefel weg, ohne daß auch nur einer von diesen schnarchenden Enakski ndern erwacht wäre. Ich hatte große Lust zu stolpern, sagte der Graf, damit es Lärm gegeben hätte: denn welch eine seltsame Auferstehung würden wir gesehen haben! In diesem Augenblick schlug die Schloßglocke zwölf. Es  ist  hoch  Mitternacht,  sagte  der  Graf  lächelnd,  und  eben  gerechte  Zeit.  Ich  muß  Sie,  lieber Baron, um eine Gefälligkeit bitten: führen Sie mich heute wie ich Sie damals führte; ich habe der Baronesse das Versprechen gegeben, sie noch zu besuchen. Wir haben uns den ganzen Tag nicht allein gesprochen, wir haben uns so lange nicht gesehen, und nichts ist natürlicher, als daß man sich nach einer vertraulichen Stunde sehnt. Zeigen  Sie mir den Hinweg, den Rückweg will ich schon finden, und auf alle Fälle werde ich über keine Stiefel wegzustolp ern haben. Ich  will  Ihnen  recht  gern  diese  gastliche  Gefälligkeit  erzeigen,  versetzte  Eduard;  nur  sind  die drei Frauenzimmer drüben zusammen auf dem Flügel. Wer weiß, ob wir sie nicht noch beieinander finden oder was wir sonst für Händel anrichten, die irgendein wund erliches Ansehn gewinnen. Nur ohne Sorge! sagte der Graf; die Baronesse erwartet mich. Sie ist um diese Zeit gewiß auf ihrem Zimmer und allein. Die Sache ist übrigens leicht, versetzte Eduard, und nahm ein Licht, dem Grafen vorleuchtend eine  geheime  Treppe  hinunter,  die  zu  einem  langen  Gang  führte.  Am  Ende  desselben  öffnete Eduard eine kleine Türe. Sie erstiegen eine Wendeltreppe; oben auf einem engen Ruheplatz deutete Eduard  dem  Grafen,  dem  er  das  Licht  in  die  Hand  gab,  nach  einer  Tapetentüre  rechts,  die  beim ersten  Versuch  sogleich  sich  öffnete,  den  Grafen  aufnahm  und  Eduard  in  dem  dunklen  Raum zurückließ. 39
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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