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Die Wahlverwandtschaften

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bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein: denn sie bringt so vieles Glück,  daß  alles  einzelne  Unglück  dagegen  gar  nicht  zu  rechnen  ist.  Und  was  will  man  von Unglück reden? Ungeduld ist es, die den Menschen von Zeit zu Zeit anfällt, und dann beliebt, er sich unglücklich zu finden. Lasse man den Augenblick vorübergehen, und man wird sich glücklich preisen, daß ein so lange Bestandenes noch besteht. Sich zu trennen, gibt’s gar keinen hinlänglichen Grund. Der menschliche Zustand ist so hoch in Leiden und Freuden gesetzt, daß gar nicht berechnet werden kann, was ein Paar Gatten einander schuldig werden. Es ist eine unendliche Schuld, die nur durch  die  Ewigkeit  abgetragen  werden  kann.  Unbequem  mag  es  manchmal  sein,  das  glaub’  ich wohl, und das ist eben recht. Sind wir nicht auch mit dem Gewissen verheiratet, das wir oft gerne los sein möchten, weil es unbequemer ist, als uns je ein Mann oder eine Frau werden könnte? So sprach er lebhaft und hätte wohl noch lange fortgesprochen, wenn nicht blasende Postillons die  Ankunft  der  Herrschaften  verkündigt  hätten,  welche  wie  abgemessen  von  beiden  Seiten  zu gleicher   Zeit   in   den   Schloßhof   hereinfuhren.   Als   ihnen   die   Hausgenossen   entgegen   eilten, versteckte sich Mittler, ließ sich das Pferd an den Gasthof bringen u nd ritt verdrießlich davon. Zehntes Kapitel Die Gäste waren bewillkommt und eingeführt; sie freuten sich, das Haus, die Zimmer wieder zu betreten, wo sie früher so manchen guten Tag erlebt und die sie eine lange Zeit nicht gesehn hatten. Höchst angenehm war auch den Freunden ihre Gegenwart. Den Grafen so wie die Baronesse k onnte man unter jene hohen schönen Gestalten zählen, die man in einem mittlern Alter fast lieber als in der Jugend sieht: denn wenn ihnen auch etwas von der ersten Blüte abgehn möchte, so erregen sie doch nun mit der Neigung ein entschiedenes Zutrauen. Auch dieses Paar zeigte sich höchst bequem in  der  Gegenwart.  Ihre  freie  Weise,  die  Zustände des Lebens zu nehmen und zu behandeln, ihre Heiterkeit und scheinbare Unbefangenheit teilte sich sogleich mit, und ein hoher Anstand begrenzte das Ganze, ohne daß man irgendeinen Zwang bemerkt hätte. Diese  Wirkung  ließ  sich  augenblicks  in  der  Gesellschaft  empfinden.  Die  Neueintretenden, welche unmittelbar aus der Welt kamen, wie man sogar an ihren Kleidern, Gerätschaften und allen Umgebungen  sehen  konnte,  machten  gewissermaßen  mit  unsern  Freunden,  ihrem  ländlichen  und heimlich  leidenschaftlichen  Zustande  eine  Art  von  Gegensatz,  der  sich  jedoch  sehr  bald  verlor, indem alte Erinnerungen und gegenwärtige Teilnahme sich vermischten und ein schnelles lebhaftes Gespräch alle geschwind zusammen verband. Es währte indessen nicht lange, als schon eine Sonderung vorging. Die Frauen zogen sich auf ihren  Flügel  zurück  und  fanden  daselbst,  indem  sie  sich  mancherlei  vertrauten  und  zugleich  die neusten  Formen  und  Zuschnitte  von  Frühkleidern,  Hüten  und  dergleichen  zu  mustern  anfingen, genugsame  Unterhaltung,  während  die  Männer  sich  um  die  neuen  Reisewagen,  mit  vorgeführten Pferden, beschäftigten und gleich zu handeln und zu tauschen anfingen . Erst  zu  Tische  kam  man  wieder  zusammen.  Die  Umkleidung  war  geschehen,  und  auch  hier zeigte sich das angekommene Paar zu seinem Vorteile. Alles, was sie an sich trugen, war neu und gleichsam  ungesehen  und  doch  schon  durch  den  Gebrauch  zur  Gewohnheit  und  Bequemlichkeit eingeweiht. Das Gespräch war lebhaft und abwechselnd, wie denn in Gegenwart solcher Personen alles und nichts zu interessieren scheint. Man bediente sich der französischen Sprache, um die Aufwartenden von dem Mitverständnis auszuschließen, und schweifte mit mutwilligem Behagen über hohe und mittlere  Weltverhältnisse  hin.  Auf  einem  einzigen  Punkt  blieb  die  Unterhaltung  länger  als  billig haften,  indem  Charlotte  nach  einer  Jugendfreundin  sich  erkundigte  und  mit  einiger  Befremdung vernahm, daß sie ehstens geschieden werden sollte. Es   ist   unerfreulich,   sagte   Charlotte;   wenn   man   seine   abwesenden   Freunde   irgendeinmal geborgen, eine Freundin, die man liebt, versorgt glaubt: eh’ man sich’s versieht, muß man wieder 34
  
Faust - Johann Wolfgang Goethe
von Bruno Ganz,
Christian Nickel,
Peter Schönhofer,
Thomas Grimm
Siehe auch:
Faust
von Will Quadflieg, Gustaf Gründgens, und Elisabeth Flickenschildt (in DVD & Blu-ray)
Faust Is Last
von Faust (in Musik)
Sonstige Artikel:
Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit: Eine Einführung
von Hanne Schaffer
EA SPORTS ACTIVE Personal Trainer
von Electronic Arts GmbH
 
   
 
     
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