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Die Wahlverwandtschaften

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Gewiß nicht! antwortete Eduard: sie wird auch morgen von ihrer Seite anlangen. Sie bitten um ein Nachtquartier und wollen übermorgen zusammen wieder fortreisen. Da müssen wir unsere Anstalten beizeiten machen, Ottilie! sagte Charlotte. Wie befehlen Sie die Einrichtung? fragte Ottilie. Charlotte gab es im allgemeinen an, und Ottilie entfernte sich. Der  Hauptmann  erkundigte  sich  nach  dem  Verhältnis  dieser  beiden  Personen,  das  er  nur  im allgemeinsten  kannte.  Sie  hatten  früher,  beide  schon  anderwärts  verheiratet,  sich  leidenschaftlich lieb gewonnen. Eine doppelte Ehe war nicht ohne Aufsehn gestört; man dachte an Scheidung. Bei der  Baronesse  war  sie  möglich  geworden,  bei  dem  Grafen  nicht.  Sie  mußten  sich  zum  Scheine trennen,  allein  ihr  Verhältnis  blieb;  und  wenn  sie  winters  in  der  Residenz  nicht  zusammen  sein konnten,  so  entschädigten  sie  sich  sommers  auf  Lustreisen  und  in  Bädern.  Sie  waren  beide  um etwas älter als Eduard und Charlotte und sämtlich genaue Freunde aus früher Hofzeit her. Man hatte immer  ein  gutes  Verhältnis  erhalten,  ob  man  gleich  nicht  alles  an  seinen  Freunden  billigte.  Nur diesmal  war  Charlotten  ihre  Ankunft  gewissermaßen  ganz  ungelegen,  und  wenn  sie  die  Ursache genau untersucht hätte, es war eigentlich um Ottiliens willen. Das gute reine Kind sollte ein solches Beispiel so früh nicht gewahr werden. Sie hätten wohl noch ein paar Tage wegbleiben können, sagte Eduard, als eben Ottilie wieder hereintrat,  bis  wir  den  Vorwerksverkauf  in  Ordnung  gebracht.  Der  Aufsatz  ist  fertig;  die  eine Abschrift habe ich hier; nun fehlt es aber an der zweiten, und unser alter Kanzellist ist recht krank. Der  Hauptmann  bot  sich  an,  auch  Charlotte;  dagegen  waren  einige  Einwendungen  zu  machen. Geben Sie mir’s nur! rief Ottilie, mit einiger Hast. Du wirst nicht damit fertig, sagte Charlotte. Freilich müßte ich es übermorgen früh haben, und es ist viel, sagte Eduard. Es soll fertig sein, rief Ottilie, und hatte das Blatt schon in den Händen. Des  andern  Morgens,  als  sie  sich  aus  dem  obern  Stock  nach  den  Gästen  umsahen,  denen  sie entgegen  zu  gehen  nicht  verfehlen  wollten,  sagte  Eduard:  Wer  reitet  denn  so  langsam  dort  die Straße her? Der Hauptmann beschrieb die Figur des Reiters genauer. So ist er’s doch, sagte Eduard: denn das Einzelne, das du besser siehst als ich, paßt sehr gut zu dem Ganzen, das ich recht wohl sehe. Es ist Mittler. Wie kommt er aber dazu, langsam und so langsam zu reiten? Die Figur kam näher, und Mittler war es wirklich. Man empfing ihn freundlich, als er langsam die Treppe heraufstieg. Warum sind Sie nicht gestern gekommen? rief ihm Eduard entgegen. Laute  Feste  lieb’  ich  nicht,  versetzte  jener.  Heute  komm’  ich  aber,  den  Geburtstag  meiner Freundin mit euch im stillen nachzufeiern. Wie können Sie denn so viel Zeit gewinnen? fragte Eduard scherzend. Meinen Besuch, wenn er euch etwas wert ist, seid ihr einer Betrachtung schuldig, die ich gestern gemacht  habe.  Ich  freute  mich  recht  herzlich  den  halben  Tag  in  einem  Hause,  wo  ich  Frieden gestiftet hatte, und dann hörte ich, daß hier Geburtstag gefeiert werde. Das kann man doch am Ende selbstisch nennen, dachte ich bei mir, daß du dich nur mit denen freuen willst, die du zum Frieden bewogen  hast.  Warum  freust  du  dich  nicht  auch  einmal  mit  Freunden,  die  Frieden  halten  und hegen? Gesagt, getan! Hier bin ich, wie ich mir vorgenommen hatte. Gestern hätten Sie große Gesellschaft gefunden, heute finden Sie nur kleine, sagte Charlotte. Sie finden den Grafen und die Baronesse, die Ihnen auch schon zu schaffen gemacht haben. Aus der Mitte der vier Hausgenossen, die den seltsamen willkommenen Mann umgeben hatten, fuhr er mit verdrießlicher Lebhaftigkeit heraus, indem er sogleich nach Hut und Reitgerte suchte. Schwebt doch immer ein Unstern über mir, sobald ich einmal ruhen und mir wohltun will! Aber warum gehe ich auch aus meinem Charakter heraus! Ich hätte nicht kommen sollen, und nun werd’ ich vertrieben. Denn mit jenen will ich nicht unter einem Dache bleiben; und nehmt euch in acht: sie bringen nichts als Unheil! Ihr Wesen ist wie ein Sauerteig, der seine Ansteckung fortpflanzt. Man suchte ihn zu begütigen; aber vergebens. Wer mir den Ehstand angreift, rief er aus, wer mir durch Wort, ja durch Tat, diesen Grund aller sittlichen Gesellschaft untergräbt, der hat es mit mir zu tun; oder wenn ich sein nicht Herr werden kann, habe ich nichts mit ihm zu tun. Die Ehe ist der Anfang  und  der  Gipfel  aller  Kultur.  Sie  macht  den  Rohen  mild,  und  der  Gebildetste  hat  keine 33
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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