Titel:

Die Wahlverwandtschaften

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

der menschlichen Dinge; wir denken uns eine Möglichkeit, daß dieser festversiegelte Deckel wieder aufgehoben  werden  könne,  welches  nicht  anders  geschehen  dürfte,  als  wenn  das  alles  wieder zerstört wäre, was wir noch nicht einmal aufgeführt haben. Aber eben, damit dieses aufgeführt werde, zurück mit den Gedanken aus der Zukunft, zurück ins Gegenwärtige!  Laßt  uns,  nach  begangenem  heutigem  Feste,  unsre  Arbeit  sogleich  fördern,  damit keiner von den Gewerken, die auf unserm Grunde fortarbeiten, zu feiern brauche, daß der Bau eilig in die Höhe steige und vollendet werde, und aus den Fenstern, die noch nicht sind, der Hausherr mit den  Seinigen  und  seinen  Gästen  sich  fröhlich  in  der  Gegend  umschaue,  deren  aller  so  wie sämtlicher Anwesenden Gesundheit hiermit getrunken sei! Und so leerte er ein wohlgeschliffenes Kelchglas auf einen Zug aus und warf es in die Luft: denn es   bezeichnet   das   Übermaß   einer   Freude,   das   Gefäß   zu   zerstören,   dessen   man   sich   in   der Fröhlichkeit  bedient.  Aber  diesmal  ereignete  es  sich  anders:  das  Glas  kam  nicht  wieder  auf  den Boden, und zwar ohne Wunder. Man  hatte  nämlich,  um  mit  dem  Bau  vorwärts  zu  kommen,  bereits  an  der  entgegengesetzten Ecke den Grund völlig herausgeschlagen, ja schon angefangen die Mauern aufzuführen, und zu dem Endzweck das Gerüst erbaut, so hoch als es überhaupt nötig war.   Daß  man  es  besonders  zu  dieser  Feierlichkeit  mit  Brettern  belegt  und  eine  Menge  Zuschauer hinaufgelassen hatte, war zum Vorteil der Arbeitsleute geschehen. Dort hinauf flog das Glas und wurde von einem aufgefangen, der diesen Zufall als ein glückliches Zeichen für sich ansah. Er wies es zuletzt herum, ohne es aus der Hand zu lassen, und man sah darauf die Buchstaben E und O in sehr  zierlicher  Verschlingung  eingeschnitten:  es  war  eins  der  Gläser,  die  für  Eduarden  in  seiner Jugend verfertigt worden. Die  Gerüste  standen  wieder  leer,  und  die  leichtesten  unter  den  Gästen  stiegen  hinauf,  sich umzusehen, und konnten die schöne Aussicht nach allen Seiten nicht genugsam rühmen: denn was entdeckt der nicht alles, der auf einem hohen Punkte nur um ein Geschoß höher steht. Nach dem Innern  des  Landes  zu  kamen  mehrere  neue  Dörfer  zum  Vorschein;  den  silbernen  Streifen  des Flusses erblickte man deutlich; ja selbst die Türme der Hauptstadt wollte einer gewahr werden. An der Rückseite, hinter den waldigen Hügeln, erhoben sich die blauen Gipfel eines fernen Gebirges, und die nächste Gegend übersah man im ganzen. Nun sollten nur noch, rief einer, die drei Teiche zu einem See vereinigt werden; dann hätte der Anblick alles, was groß und  wünschenswert ist. Das  ließe  sich  wohl  machen,  sagte  der  Hauptmann:  denn  sie  bildeten  schon  vor  Zeiten  einen Bergsee. Nur  bitte  ich  meine  Platanen-  und  Pappelgruppe  zu  schonen,  sagte  Eduard,  die  so  schön  am mittelsten  Teiche  steht.  Sehen  Sie  –  wandte  er  sich  zu  Ottilien,  die  er  einige  Schritte  vorführte, indem er hinabwies – diese Bäume habe ich selbst gepflanzt. Wie lange stehen sie wohl schon? fragte Ottilie. Etwa so lange, versetzte Eduard, als Sie auf der Welt sind. Ja, liebes Kind, ich pflanzte schon, da Sie noch in der Wiege lagen. Die Gesellschaft begab sich wieder in das Schloß zurück. Nach aufgehobener Tafel wurde sie zu einem Spaziergang durch das Dorf eingeladen, um auch hier die neuen Anstalten in Augenschein zu nehmen.  Dort  hatten  sich,  auf  des  Hauptmanns  Veranlassung,  die  Bewohner  vor  ihren  Häusern versammelt; sie standen nicht in Reihen, sondern familienweise natürlich gruppiert, teils, wie es der Abend  forderte,  beschäftigt,  teils  auf  neuen  Bänken  ausruhend.  Es  ward  ihnen  zur  angenehmen Pflicht  gemacht,  wenigstens  jeden  Sonntag  und  Festtag,  diese  Reinlichkeit,  diese  Ordnung  zu erneuen. Eine innere Geselligkeit mit Neigung, wie sie sich unter unseren Freunden erzeugt hatte, wird durch eine größere Gesellschaft immer nur unangenehm unterbrochen. Alle vier waren zufrieden, sich  wieder  im  großen  Saale  allein  zu  finden;  doch  ward  dieses  häusliche  Gefühl  einigermaßen gestört, indem ein Brief, der Eduarden überreicht wurde, neue Gäste auf morgen ankündigte. Wie  wir  vermuteten,  rief  Eduard  Charlotten  zu:  der  Graf  wird  nicht  ausbleiben,  er  kommt morgen. Da ist also auch die Baronesse nicht weit, versetzte Charlotte. 32
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum