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Die Wahlverwandtschaften

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geheimnisvollen  Geschäftes  zu  erscheinen.  Gleich  werden  wir  diesen  wohlzugehauenen  Stein niederlegen, und bald werden diese mit schönen und würdigen Personen gezierten Erdwände nicht mehr zugänglich, sie werden ausgefüllt sein. Diesen   Grundstein,   der   mit   seiner   Ecke   die   rechte   Ecke   des   Gebäudes,   mit   seiner Rechtwinkligkeit die Regelmäßigkeit desselben, mit seiner wasser- und senkrechten Lage Lot und Waage aller Mauern und Wände bezeichnet, könnten wir ohne weiteres niederlegen: denn er ruhte wohl auf seiner eignen Schwere. Aber auch hier soll es am Kalk, am Bindungsmittel nicht fehlen: denn so wie Menschen, die einander von Natur geneigt sind, noch besser z usammenhalten, wenn das  Gesetz  sie  verkittet,  so  werden  auch  Steine,  deren  Form  schon  zusammenpaßt,  noch  besser durch diese bindenden Kräfte vereinigt: und da es sich nicht ziemen will, unter den Tätigen müßig zu sein, so werden Sie nicht verschmähen, auch hier Mitarbeiter zu werden. Er überreichte hierauf seine Kelle Charlotten, welche damit Kalk unter den Stein warf. Mehreren wurde   ein   Gleiches   zu   tun   angesonnen   und   der   Stein   alsobald   niedergesenkt,   worauf   denn Charlotten und den übrigen sogleich der Hammer gereicht wurde, um durch ein dreimaliges Pochen die Verbindung des Steins mit dem Grunde ausdrücklich zu segnen. Des Maurers Arbeit, fuhr der Redner fort, zwar jetzt unter freiem Himmel, geschieht wo nicht immer im Verborgnen doch zum Verborgnen. Der regelmäßig aufgeführte Grund wird verschüttet, und sogar bei den Mauern, die wir am Tage aufführen, ist man unser am Ende kaum eingedenk. Die Arbeiten des Steinmetzen und Bildhauers fallen mehr in die Augen, und wir müssen es sogar noch gutheißen,  wenn  der  Tüncher  die  Spur  unserer  Hände  völlig  auslöscht  und  sich  unser  Werk zueignet, indem er es überzieht, glättet und färbt. Wem muß also mehr daran gelegen sein, das, was er tut, sich selbst recht zu machen, indem er es recht macht, als dem Maurer? Wer hat mehr als er das Selbstbewußtsein zu nähren Ursach? Wenn das Haus aufgeführt, der Boden geplattet und gepflastert, die Außenseite mit Zieraten überdeckt ist, so sieht er durch alle Hüllen immer noch hinein und erkennt noch jene regelmäßigen sorgfältigen Fugen, denen das Ganze sein Dasein und seinen Halt zu danken hat. Aber wie jeder, der eine Übeltat begangen, fürchten muß, daß, ungeachtet allen Abwehrens, sie dennoch ans Licht kommen werde, so muß derjenige erwarten, der insgeheim das Gute getan, daß auch  dieses  wider  seinen  Willen  an  den  Tag  komme.  Deswegen  machen  wir  diesen  Grundstein zugleich    zum    Denkstein.    Hier    in    diese    unterschiedlichen    gehauenen    Vertiefungen    soll Verschiedenes  eingesenkt  werden,  zum  Zeugnis  für  eine  entfernte  Nachwelt.  Diese  metallnen zugelöteten   Köcher   enthalten   schriftliche   Nachrichten;   auf   diese   Metallplatten   ist   allerlei Merkwürdiges eingegraben; in diesen schönen gläsernen Flaschen versenken wir den besten alten Wein, mit Bezeichnung seines Geburtsjahrs; es fehlt nicht an Münzen verschiedener Art, in diesem Jahre  geprägt:  alles  dieses  erhielten  wir  durch  die  Freigebigkeit  unseres  Bauherrn.  Auch  ist  hier noch  mancher  Platz,  wenn  irgend  ein  Gast  und  Zuschauer  etwas  der  Nachwelt  zu  übergeben Belieben trüge. Nach einer kleinen Pause sah der Geselle sich um; aber wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt, niemand war vorbereitet, jedermann überrascht, bis endlich ein junger munterer Offizier anfing und sagte: Wenn ich etwas beitragen soll, das in dieser Schatzkammer noch nicht niedergelegt ist, so muß  ich  ein  paar  Knöpfe  von  der  Uniform  schneiden,  die  doch  wohl  auch  verdienen,  auf  die Nachwelt   zu   kommen.   Gesagt,   getan!   und   nun   hatte   mancher   einen   ähnlichen   Einfall.   Die Frauenzimmer säumten nicht, von ihren kleinen Haarkämmen hineinzulegen; Riechfläschchen und andre Zierden wurden nicht geschont: nur Ottilie zauderte, bis Eduard sie durch ein freundliches Wort aus der Betrachtung aller der beigesteuerten und eingelegten Dinge herausriß. Sie löste darauf die goldne Kette vom Halse, an der das Bild ihres Vaters gehangen hatte, und legte sie mit leiser Hand  über  die  anderen  Kleinode  hin,  worauf  Eduard  mit  einiger  Hast  veranstaltete,  daß  der wohlgefugte Deckel sogleich aufgestürzt und eingekittet wurde. Der junge Gesell, der sich dabei am tätigsten erwiesen, nahm seine Rednermiene wieder an und fuhr   fort:   Wir   gründen   diesen   Stein   für   ewig,   zur   Sicherung   des   längsten   Genusses   der gegenwärtigen und künftigen Besitzer dieses Hauses. Allein indem wir hier gleichsam einen Schatz vergraben, so denken wir zugleich, bei dem gründlichsten aller Geschäfte, an die Vergänglichkeit 31
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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