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Die Wahlverwandtschaften

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denn  indem  er  von  unten  hinauf,  hinter  dem  Dorfe  her,  den  bequemen  Weg  führte,  so  ließ  er, vorgeblich um Steine zu brechen, auch von oben herunter arbeiten und hatte alles so eingerichtet und berechnet, daß erst in der letzten Nacht die beiden Teile des Weges sich begegnen sollten. Zum neuen  Hause  oben  war  auch  schon  der  Keller  mehr  gebrochen  als  gegraben,  und  ein  schöner Grundstein mit Fächern und Deckplatten zugehauen. Die äußere Tätigkeit, diese kleinen, freundlichen, geheimnisvollen Absichten, bei innern, mehr oder weniger zurückgedrängten Empfindungen, ließen die Unterhaltung der Gesellschaft, wenn sie beisammen war, nicht lebhaft werden, dergestalt daß Eduard, der etwas Lückenhaftes empfand, den Hauptmann eines Abends aufrief, seine Violine hervorzunehmen und Charlotten bei dem Klavier zu begleiten.  Der  Hauptmann  konnte  dem  allgemeinen  Verlangen  nicht  widerstehen,  und  so  führten beide, mit Empfindung, Behagen und Freiheit, eins der schwersten Musikstücke zusammen auf, daß es ihnen und dem zuhörenden Paar zum größten Vergnügen gereichte. Man versprach sich öftere Wiederholung und und mehrere Zusammenübung. Sie machen es besser als wir, Ottilie! sagte Eduard. Wir wollen sie bewundern, aber uns doch zusammen freuen. Neuntes Kapitel Der  Geburtstag  war  herbeigekommen  und  alles  fertig  geworden:  die  ganze  Mauer,  die  den Dorfweg gegen das Wasser zu einfaßte und erhöhte, ebenso der Weg an der Kirche vorbei, wo er eine  Zeitlang  in  dem  von  Charlotten  angelegten  Pfade  fortlief,  sich  dann  die  Felsen  hinaufwärts schlang, die Mooshütte links über sich, dann nach einer völligen Wendung links unter sich ließ und so allmählich auf die Höhe gelangte. Es  hatte  sich  diesen  Tag  viel  Gesellschaft  eingefunden.  Man  ging  zur  Kirche,  wo  man  die Gemeinde  im  festlichen  Schmuck  versammelt  antraf.  Nach  dem  Gottesdienste  zogen  Knaben, Jünglinge und Männer, wie es angeordnet war, voraus; dann kam die Herrschaft mit ihrem Besuch und Gefolge; Mädchen, Jungfrauen und Frauen machten den Beschluß. Bei der Wendung des Weges war ein erhöhter Felsenplatz eingerichtet; dort ließ der Hauptmann Charlotten  und  die  Gäste  ausruhen.  Hier  übersahen  sie  den  ganzen  Weg,  die  hinaufgeschrittene Männerschar,  die  nachwandelnden  Frauen,  welche  nun  vorbeizogen.  Es  war  bei  dem  herrlichen Wetter  ein  wunderschöner  Anblick.  Charlotte  fühlte  sich  überrascht,  gerührt  und  drückte  dem Hauptmann herzlich die Hand. Man  folgte  der  sachte  fortschreitenden  Menge,  die  nun  schon  einen  Kreis  um  den  künftigen Hausraum gebildet hatte. Der Bauherr, die Seinigen und die vornehmsten Gäste wurden eingeladen, in die Tiefe hinabzusteigen, wo der Grundstein an einer Seite unterstützt eben zum Niederlassen bereit lag. Ein wohlgeputzter Maurer, die Kelle in der einen, den Hammer in der andern Hand, hielt in Reimen eine anmutige Rede, die wir in Prosa nur unvollkommen wiedergeben können. Drei Dinge, fing er an, sind bei einem Gebäude zu beachten: daß es am rechten Fleck stehe, daß es  wohlgegründet,  daß  es  vollkommen  ausgeführt  sei.  Das  erste  ist  eigentlich  die  Sache  des Bauherrn: denn wie in der Stadt nur der Fürst und die Gemeine bestimmen können, wohin gebaut werden  soll,  so  ist  es  auf  dem  Lande  das  Vorrecht  des  Grundherrn,  daß  er  sage:  hier  soll  meine Wohnung stehen und nirgends anders. Eduard  und  Ottilie  wagten  nicht,  bei  diesen  Worten  einander  anzusehen,  ob  sie  gleich  nahe gegen einander über standen. Das  dritte,  die  Vollendung,  ist  die  Sorge  gar  vieler  Gewerke;  ja  wenige  sind,  die  nicht  dabei beschäftigt wären. Aber das zweite, die Gründung, ist des Maurers Angelegenheit, und daß daß wir es  nur  keck  heraussagen,  die  Hauptangelegenheit  des  ganzen  Unternehmens.  Es  ist  ein  ernstes Geschäft, und unsre Einladung ist ernsthaft: denn diese Feierlichkeit wird in der Tiefe begangen. Hier innerhalb dieses engen ausgegrabenen Raums erweisen Sie uns die Ehre, als Zeugen unseres 30
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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