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Die Wahlverwandtschaften

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Ich  habe  eine  Bitte,  liebe  Ottilie:  verzeihen  Sie  mir  die,  wenn  Sie  mir  sie  auch  versagen.  Sie machen  kein  Geheimnis  daraus,  und  es  braucht  es  auch  nicht,  daß  Sie  unter  Ihrem  Gewand,  auf Ihrer Brust ein Miniaturbild tragen. Es ist das Bild Ihres Vaters, des braven Mannes, den Sie kaum gekannt und der in jedem Sinne eine Stelle an Ihrem Herzen verdient. Aber vergeben Sie mir: das Bild ist ungeschickt groß, und dieses Metall, dieses Glas macht mir tausend Ängste, wenn Sie ein Kind in die Höhe heben, etwas vor sich hintragen, wenn die Kutsche schwankt, wenn wir durchs Gebüsch dringen, eben jetzt, wie wir vom Felsen herabstiegen. Mir ist die Möglichkeit schrecklich, daß irgend ein unvorgesehener Stoß, ein Fall, eine Berührung Ihnen schädlich und verderblich sein könnte. Tun Sie es mir zu Liebe, entfernen Sie das Bild, nicht aus Ihrem Andenken, nicht aus Ihrem Zimmer; ja geben Sie ihm den schönsten, den heiligsten Ort Ihrer Wohnung: nur von Ihrer Brust entfernen  Sie  etwas,  dessen  Nähe  mir,  vielleicht  aus  übertriebener  Ängstlichkeit,  so  gefährlich scheint. Ottilie schwieg und hatte, während er sprach, vor sich hingesehen; dann, ohne Übereilung und ohne Zaudern, mit einem Blick mehr gen Himmel als auf Eduard gewendet, löste sie die Kette, zog das Bild hervor, drückte es gegen ihre Stirn und reichte es dem Freunde hin, mit den Worten: Heben Sie es mir auf, bis wir nach Hause kommen. Ich vermag Ihnen nicht besser zu bezeugen, wie sehr ich Ihre freundliche Sorgfalt zu schätzen weiß. Der  Freund  wagte  nicht  das  Bild  an  seine  Lippen  zu  drücken,  aber  er  f aßte  ihre  Hand  und drückte  sie  an  seine  Augen.  Es  waren  vielleicht  die  zwei  schönsten  Hände,  die  sich  jemals zusammenschlossen.  Ihm  war,  als  wenn  ihm  ein  Stein  vom  Herzen  gefallen  wäre,  als  wenn  sich eine Scheidewand zwischen ihm und Ottilien niedergelegt hätte. Vom  Müller  geführt,  langten  Charlotte  und  der  Hauptmann  auf  einem  bequemeren  Pfade herunter. Man begrüßte sich, man erfreute und erquickte sich. Zurück wollte man denselben Weg nicht kehren, und Eduard schlug einen Felspfad auf der andern Seite des Baches vor, auf welchem die  Teiche  wieder  zu  Gesicht  kamen,  indem  man  ihn  mit  einiger  Anstrengung  zurücklegte.  Nun durchstrich man ein abwechselndes Gehölz und erblickte nach dem Lande zu mancherlei Dörfer, Flecken, Meiereien mit ihren grünen fruchtbaren Umgebungen; zunächst ein Vorwerk, das an der Höhe,  mitten  im  Holze,  gar  vertraulich  lag.  Am  schönsten  zeigte  sich  der  größte  Reichtum  der Gegend  vor-  und  rückwärts,  auf  der  sanfterstiegenen  Höhe,  von  da  man  zu  einem  lustigen Wäldchen  gelangte,  und  beim  Heraustreten  aus  demselben  sich  auf  dem  Felsen  dem  Schlosse gegenüber befand. Wie froh waren sie, als sie daselbst gewissermaßen unvermutet ankamen. Sie hatten eine kleine Welt umgangen; sie standen auf dem Platze, wo das neue Gebäude hinkommen sollte, und sahen wieder in die Fenster ihrer Wohnung. Man   stieg   zur   Mooshütte   hinunter   und   saß   zum   erstenmal   darin   zu   vieren.   Nichts   war natürlicher,  als  daß  einstimmig  der  Wunsch  ausgesprochen  wurde,  dieser  heutige  Weg,  den  sie langsam  und  nicht  ohne  Beschwerlichkeit  gemacht,  möchte  dergestalt  geführt  und  eingerichtet werden,  daß  man  ihn  gesellig,  schlendernd  und  mit  Behaglichkeit  zurücklegen  könnte.  Jedes  tat Vorschläge, und man berechnete, daß der Weg, zu welchem sie mehrere Stunden gebraucht hatten, wohlgebahnt  in  einer  Stunde  zum  Schloß  zurückführen  müßte.  Schon  legte  man  in  Gedanken, unterhalb der Mühle, wo der Bach in die Teiche fließt, eine wegverkürzende und die Landschaft zierende Brücke an, als Charlotte der erfindenden Einbildungskraft einigen Stillstand gebot, indem sie an die Kosten erinnerte, welche zu einem solchen Unternehmen erforderlich sein würden. Hier  ist  auch  zu  helfen,  versetzte  Eduard.  Jenes  Vorwerk  im  Walde,  das  so  schön  zu  liegen scheint und so wenig einträgt, dürfen wir nur veräußern und das daraus Gelöste zu diesen Anlagen verwenden;  so  genießen  wir  vergnüglich  auf  einem  unschätzbaren  Spaziergange  die  Interessen eines wohlangelegten Kapitals, da wir jetzt mit Mißmut, bei letzter Berechnung am Schlusse des Jahrs, eine kümmerliche Einnahme davon ziehen. Charlotte selbst konnte als gute Haushälterin nicht viel dagegen erinnern. Die Sache war schon früher  zur  Sprache  gekommen.  Nun  wollte  der  Hauptmann  einen  Plan  zu  Zerschlagung  der Grundstücke  unter  die  Waldbauern  machen.  Eduard  aber  wollte  kürzer  und  bequemer  verfahren wissen. Der gegenwärtige Pachter, der schon Vorschläge getan hatte , sollte es erhalten, terminweise 27
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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