Titel:

Die Wahlverwandtschaften

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Ich mag mit Bürgern und Bauern nichts zu tun haben, wenn ich ihnen nicht geradezu befehlen kann, versetzte Eduard. Du  hast  so  unrecht  nicht,  erwiderte  der  Hauptmann:  denn  auch  mir  machten  dergleichen Geschäfte im Leben schon viel Verdruß. Wie schwer ist es, daß der Mensch recht abwäge, was man aufzuopfern muß gegen das, was zu gewinnen ist! wie schwer, den Zweck zu wollen und die Mittel nicht zu verschmähen! Viele verwechseln gar die Mittel und den Zweck, erfreuen sich an jenen, ohne  diesen  im  Auge  zu  behalten.  Jedes  Übel  soll  an  der  Stelle  geheilt  werden,  wo  e s  zum Vorschein  kommt,  und  man  bekümmert  sich  nicht  um  jenen  Punkt,  wo  es  eigentlich  seinen Ursprung  nimmt,  woher  es  wirkt.  Deswegen  ist  es  so  schwer  Rat,  zu  pflegen,  besonders  mit  der Menge, die im Täglichen ganz verständig ist, aber selten weiter sieht als auf morgen. Kommt nun gar dazu, daß der eine bei einer gemeinsamen Anstalt gewinnen, der andre verlieren soll, da ist mit Vergleich   nun   gar   nichts   auszurichten.   Alles   eigentlich   gemeinsame   Gute   muß   durch   das unumschränkte Majestätsrecht gefördert werden. Indem sie standen und sprachen, bettelte sie ein Mensch an, der mehr frech als bedürftig aussah. Eduard,  ungern  unterbrochen  und  beunruhigt,  schalt  ihn,  nachdem  er  ihn  einigemal  vergebens gelassener  abgewiesen  hatte;  als  aber  der  Kerl  sich  murrend,  ja  gegenscheltend,  mit  kleinen Schritten entfernte, auf die Rechte des Bettlers trotzte, dem man wohl ein Almosen versagen, ihn aber  nicht  beleidigen  dürfe,  weil  er  so  gut  wie  jeder  andere  unter  dem  Schutze  Gottes  und  der Obrigkeit stehe, kam Eduard ganz aus der Fassung. Der Hauptmann, ihn zu begütigen, sagte darauf: Laß uns diesen Vorfall als eine Aufforderung annehmen, unsere ländliche Polizei auch hierüber zu erstrecken. Almosen muß man einmal geben; man tut aber besser, wenn man sie nicht selbst gibt, besonders zu Hause. Da sollte man mäßig und gleichförmig in allem sein, auch im Wohltun. Eine allzureichliche Gabe lockt Bettler herbei, anstatt sie abzufertigen; dagegen man wohl auf der Reise, im Vorbeifliegen, einem Armen an der Straße in der Gestalt des zufälligen Glücks erscheinen und ihm eine überraschende Gabe zuwerfen mag. Uns macht die Lage des Dorfes, des Schlosses, eine  solche Anstalt sehr leicht; ich habe schon früher darüber nach gedacht. An dem einem Ende des Dorfes liegt das Wirtshaus, an dem andern wohnen ein Paar alte gute Leute;   an   beiden   Orten   mußt   du   eine   kleine   Geldsumme   niederlegen.   Nicht   der   ins   Dorf Hereingehende, sondern der Hinausgehende erhält etwas; und da die beiden Häuser zugleich an den Wegen stehen, die auf das Schloß führen, so wird auch alles, was sich hinaufwenden wollte, an die beiden Stellen gewiesen. Komm, sagte Eduard, wir wollen das gleich abmachen; das Genauere können wir immer noch nachholen. Sie gingen zum Wirt und zu dem alten Paare, und die Sache war abgetan. Ich weiß recht gut, sagte Eduard, indem sie zusammen den Schloßberg wieder hinaufstiegen, daß alles in der Welt ankommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluß. So hast du die Parkanlagen meiner Frau sehr richtig beurteilt, und mir auch schon einen Wink zum Bessern gegeben, den ich ihr, wie ich gar nicht leugnen will, sogleich mitgeteilt habe. Ich konnte es vermuten, versetzte der Hauptmann, aber nicht billigen. Du hast sie irre gemacht; sie läßt alles liegen und trutzt in dieser einzigen Sache mit uns: denn sie vermeidet davon zu reden und hat uns nicht wieder zur Mooshütte geladen, ob sie gleich mit Ottilien in den Zwischenstunden hinaufgeht. Dadurch  müssen  wir  uns,  versetzte  Eduard,  nicht  abschrecken  lassen.  Wenn  ich  von  etwas Gutem überzeugt bin, was geschehen könnte und sollte, so habe ich keine Ruhe, bis ich es getan sehe. Sind wir doch sonst klug, etwas einzuleiten. Laß uns die englischen Parkbeschreibungen mit Kupfern   zur   Abendunterhaltung   vornehmen,   nachher   deine   Gutskarte.   Man   muß   es   erst problematisch und nur wie zum Scherz behandeln, der Ernst wird sich schon finden. Nach dieser Verabredung wurden die Bücher aufgeschlagen, worin man jedesmal den Grundriß der Gegend und ihre landschaftliche Ansicht in ihrem ersten rohen Naturzustande gezeichnet sah, sodann   auf   andern   Blättern   die   Veränderung   vorgestellt   fand,   welche   die   Kunst   daran vorgenommen, um alles das bestehende Gute zu nutzen und zu steigern. Hievon war der Übergang 24
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum