Titel:

Die Wahlverwandtschaften

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Sie errichteten auf dem Flügel des Hauptmanns eine Repositur für das Gegenwärtige, ein Archiv für   das   Vergangene;   schafften   alle   Dokumente,   Papiere,   Nachrichten,   aus   verschiedenen Behältnissen, Kammern, Schränken und Kisten herbei, und auf das geschwindeste war der Wust in eine  erfreuliche  Ordnung  gebracht,  lag  rubriziert  in  bezeichneten  Fächern.  Was  man  wünschte, ward vollständiger gefunden, als man gehofft hatte. Hiebei ging ihnen ein alter Schreiber sehr an die  Hand,  der  den  Tag  über,  ja  einen  Teil  der  Nacht, nicht vom Pulte kam und mit dem Eduard bisher immer unzufrieden gewesen war. Ich kenne ihn nicht mehr, sagte Eduard zu seinem Freund, wie tätig und brauchbar der Mensch ist. Das macht, versetzte der Hauptmann, wir tragen ihm nichts Neues auf, als bis er das Alte nach seiner Bequemlichkeit vollendet hat, und so leistet er, wie du siehst, sehr viel; sobald man ihn stört, vermag er gar nichts. Brachten die Freunde auf diese Weise ihre Tage zusammen zu, so versäumten sie abends nicht, Charlotten  regelmäßig  zu  besuchen.  Fand  sich  keine  Gesellschaft  von  benachbarten  Orten  und Gütern,  welches  öfter  geschah,  so  war  das  Gespräch  wie  das  Lesen  meist  solchen  Gegenständen gewidmet,  welche  den  Wohlstand,  die  Vorteile  und  das  Behagen  der  bürgerlichen  Gesellschaft vermehren. Charlotte,  ohnehin  gewohnt  die  Gegenwart  zu  nutzen,  fühlte  sich,  indem  sie  ihren  Mann zufrieden   sah,   auch   persönlich   gefördert.   Verschiedene   häuslich e   Anstalten,   die   sie   längst gewünscht, aber nicht recht einleiten können, wurden durch die Tätigkeit des Hauptmanns bewirkt. Die Hausapotheke, die bisher nur aus wenigen Mitteln bestanden, ward bereichert, und Charlotte, sowohl  durch  faßliche  Bücher  als  durch  Unterredung,  in  den  Stand  gesetzt,  ihr  tätiges  und hilfreiches Wesen öfter und wirksamer als bisher in Übung zu bringen. Da  man  auch  die  gewöhnlichen  und  dessenungeachtet  nur  zu  oft  überraschenden  Notfälle durchdachte,  so  wurde  alles,  was  zur  Rettung  der  Ertrunkenen  nötig  se in  möchte,  um  so  mehr angeschafft, als bei der Nähe so mancher Teiche, Gewässer und Wasserwerke öfters ein und der andere  Unfall  dieser  Art  vorkam.  Diese  Rubrik  besorgte  der  Hauptmann  sehr  ausführlich,  und Eduarden entschlüpfte die Bemerkung, daß ein solcher Fall in dem Leben seines Freundes auf die seltsamste  Weise  Epoche  gemacht.  Doch  als  dieser  schwieg  und  einer  traurigen  Erinnerung auszuweichen  schien,  hielt  Eduard  gleichfalls  an,  so  wie  auch  Charlotte,  die  nicht  weniger  im allgemeinen davon unterrichtet war, über jene Äußerungen hinausging. Wir wollen alle diese vorsorglichen Anstalten  loben, sagte eines Abends der Hauptmann; nun geht uns aber das Notwendigste noch ab, ein tüchtiger Mann, der das alles zu handhaben weiß. Ich kann  hiezu  einen  mir  bekannten  Feldchirurgus  vorschlagen,  der  jetzt  um  leidliche  Bedingung  zu haben ist, ein vorzüglicher Mann in seinem Fache, und der mir auch in Behandlung heftiger innerer Übel  öfters  mehr  Genüge  getan  hat  als  ein  berühmter  Arzt;  und  augenblickliche  Hilfe  ist  doch immer das, was auf dem Lande am meisten vermißt wird. Auch  dieser  wurde  sogleich  verschrieben,  und  beide  Gatten  freuten  sich,  daß  sie  so  manche Summe, die ihnen zu willkürlichen Ausgaben übrig blieb, auf die nöti gsten zu verwenden Anlaß gefunden. So benutzte Charlotte die Kenntnisse, die Tätigkeit des Hauptmanns auch nach ihrem Sinne und fing  an,  mit  seiner  Gegenwart  völlig  zufrieden  und  über  alle  Folgen  beruhigt  zu  werden.  Sie bereitete sich gewöhnlich vor,  manches  zu  fragen,  und  da  sie  gern  leben  mochte,  so  suchte  sie  alles  Schädliche,  alles Tödliche zu entfernen. Die Bleiglasur der Töpferwaren, der Grünspan kupferner Gefäße hatte ihr schon manche Sorge gemacht. Sie ließ sich hierüber belehren, und natürlicherweise mußte man auf die Grundbegriffe der Physik und Chemie zurückgehen. Zufälligen, aber immer willkommenen Anlaß zu solchen Unterhaltungen gab Eduards Neigung, der Gesellschaft vorzulesen. Er hatte eine sehr wohlklingende tiefe Stimme und war früher wegen lebhafter  gefühlter  Rezitation  dichterischer  und  rednerischer  Arbeiten  angenehm  und  berühmt gewesen.  Nun  waren  es  andre  Gegenstände,  die  ihn  beschäftigten,  andre  Schriften,  woraus  er vorlas,  und  eben  seit  einiger  Zeit  vorzüglich  Werke  physischen,  chemischen  und  technischen Inhalts. 15
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/G/goethe

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum