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Die Wahlverwandtschaften

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gleich  ins  Weite  und  Große  gingen,  aus  einem  Scherz,  aus  einer  Unterhaltung  gleich  ein  Werk machen wollten, nicht an die Kosten denken, die ein erweiterter Plan durchaus nach sich zieht. Sie war  bewegt,  verletzt,  verdrießlich;  sie  konnte  das  Alte  nicht  fahrenlassen,  das  Neue  nicht  ganz abweisen; aber entschlossen, wie sie war, stellte sie sogleich die Arbeit ein und nahm sich Zeit, die Sache zu bedenken und bei sich reif werden zu lassen. Indem sie nun auch diese tätige Unterhaltung vermißte, da indes die Männer ihr Geschäft immer geselliger  betrieben  und  besonders  die  Kunstgärten  und  Glashäuser  mit  Eifer  besorgten,  auch dazwischen die gewöhnlichen ritterlichen Übungen fortsetzten, als Jagen, Pferdekaufen, -tauschen, -bereiten und -einfahren, so fühlte sich Charlotte täglich einsamer. Sie führte ihren Briefwechsel, auch  um  des  Hauptmanns  willen,  lebhafter,  und  doch  gab  es  manche  einsame  Stunde.  Desto angenehmer und unterhaltender waren ihr die Berichte, die sie aus der Pensionsan stalt erhielt. Einem  weitläufigen  Briefe  der  Vorsteherin,  welcher  sich  wie  gewöhnlich  über  der  Tochter Fortschritte mit Behagen verbreitete, war eine kurze Nachschrift hinzugefügt, nebst einer Beilage von der Hand eines männlichen Gehilfen am Institut, die wir beide mitteilen. Nachschrift der Vorsteherin Von  Ottilien,  meine  Gnädige,  hätte  ich  eigentlich  nur zu wiederholen, was in meinen vorigen Berichten enthalten ist. Ich wüßte sie nicht zu schelten, und doch kann ich nicht zufrieden mit ihr sein.  Sie  ist  nach  wie  vor  bescheiden  und  gefällig  gegen  andere;  aber   dieses  Zurücktreten,  diese Dienstbarkeit will mir nicht gefallen. Euer Gnaden haben ihr neulich Geld und verschiedene Ze uge geschickt. Das erste hat sie nicht angegriffen; die andern liegen auch noch da, unberührt. Sie hält freilich ihre Sachen sehr reinlich und gut und scheint nur in diesem Sinn die Kleider zu wechseln. Auch kann ich ihre große Mäßigkeit im Essen und Trinken nicht loben. An unserm Tisch ist kein Überfluß;  doch  sehe  ich  nichts  lieber,  als  wenn die Kinder sich an schmackhaften und gesunden Speisen  sattessen.  Was  mit  Bedacht  und  Überzeugung  aufgetragen  und  vorgelegt  ist,  soll  auch aufgegessen werden. Dazu kann ich Ottilien niemals bringen. Ja, sie macht sich irgendein Geschäft, um  eine  Lücke  auszufüllen,  wo  die  Dienerinnen  etwas  versäumen,  nur  um  eine  Speise  oder  den Nachtisch zu übergehen. Bei diesem allen kommt jedoch in Betrachtung, daß sie manchmal, wie ich erst spät erfahren habe, Kopfweh auf der linken Seite hat, das zwar vorübergeht, aber schmerzlich und bedeutend sein mag. So viel von diesem übrigens so schönen und lieben Kinde. Beilage des Gehilfen Unsere   vortreffliche   Vorsteherin   läßt   mich   gewöhnlich   die   Briefe   lesen,   in   welchen   sie Beobachtungen über ihre Zöglinge den Eltern und Vorgesetzten mitteilt. Diejenigen, die an Euer Gnaden gerichtet sind, lese ich immer mit doppelter Aufmerksamkeit, mit doppeltem Vergnügen: denn  indem  wir  Ihnen  zu  einer  Tochter  Glück  zu  wünschen  haben,  die  alle  jene  glänzenden Eigenschaften vereinigt, wodurch man in der Welt emporsteigt, so muß ich wenigstens Sie nicht minder glücklich preisen, daß Ihnen in Ihrer Pflegetochter ein Kind beschert ist, das zum Wohl, zur Zufriedenheit anderer und gewiß auch zu seinem eigenen Glück geboren ward. Ottilie ist fast unser einziger Zögling, über den ich mit unserer so sehr verehrten Vorsteherin nicht einig werden kann. Ich verarge dieser tätigen Frau keinesweges, daß sie verlangt, man soll die Früchte ihrer Sorgfalt äußerlich  und  deutlich  sehen;  aber  es  gibt  auch  verschlossene  Frü chte,  die  erst  die  rechten kernhaften sind und die sich früher oder später zu einem schönen Leben entwickeln. Dergleichen ist gewiß Ihre Pflegetochter. Solange ich sie unterrichte, sehe ich sie immer gleichen Schrittes gehen, langsam,  langsam  vorwärts,  nie  zurück.  Wenn  es  bei  einem  Kinde  nötig  ist,  vom  Anfange anzufangen, so ist es gewiß bei ihr. Was nicht aus dem Vorhergehenden folgt, begreift sie nicht. Sie steht unfähig, ja stöckisch vor einer leicht faßlichen Sache, die für sie mit nichts zusammenhängt. 13
  
Faust - Johann Wolfgang Goethe
von Bruno Ganz,
Christian Nickel,
Peter Schönhofer,
Thomas Grimm
Siehe auch:
Faust
von Will Quadflieg, Gustaf Gründgens, und Elisabeth Flickenschildt (in DVD & Blu-ray)
Faust Is Last
von Faust (in Musik)
Sonstige Artikel:
Das kalte Herz. Mit Materialien
von Wilhelm Hauff
Apache 2: Skalierung, Performance-Tuning, CGI, SSI, Authentifizierung, Sicherheit, VMware Re: Das umfassende Handbuch (Galileo Computing)
 
   
 
     
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