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Die Wahlverwandtschaften

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nicht  in  eine  Unterredung,  wenn  er  dich  aufsuchen,  wenn  er  sich  zu  dir  drängen  sollte.  Ottilie besann sich nicht einen Augenblick, sie gab Charlotten das Wort, das sie sich schon selbst gegeben hatte. Nun aber schwebte Charlotten immer noch jene Drohung Eduards vor der Seele, daß er Ottilien nur solange entsagen könne, als sie sich von Charlotten nicht trennte. Es hatten sich zwar seit der Zeit die Umstände so verändert, es war so mancherlei vorgefallen, daß jenes vom Augenblick ihm abgedrungene Wort gegen die folgenden Ereignisse für aufgehoben zu achten war; dennoch wollte sie  auch  im  entferntesten  Sinne  weder  etwas  wagen,  noch  etwas  vornehmen,  das  ihn  verletzen könnte, und so sollte Mittler in diesem Falle Eduards Gesinnungen erforschen. Mittler hatte seit dem Tode des Kindes Charlotten öfters, obgleich nur auf Augenblicke, besucht. Dieser  Unfall,  der  ihm  die  Wiedervereinigung  beider  Gatten  höchst  unwahrscheinlich  machte, wirkte gewaltsam auf ihn; aber immer nach seiner Sinnesweise hoffend und strebend, freute er sich nun  im  stillen  über  den  Entschluß  Ottiliens.  Er  vertraute  der  lindernden  vorüberziehenden  Zeit, dachte   noch   immer,   die   beiden   Gatten   zusammenzuhalten,   und   sah   diese   leidenschaftlichen Bewegungen nur als Prüfungen ehelicher Liebe und Treue an. Charlotte hatte gleich anfangs den Major von Ottiliens erster Erklärung schriftlich unterrichtet, ihn   auf   das   inständigste   gebeten,   Eduarden   dahin   zu   vermögen,   daß   keine   weiteren   Schritte geschähen, daß man sich ruhig verhalte, daß man abwarte, ob das Gemüt des schönen Kindes sich wieder   herstelle.   Auch   von   den   spätern   Ereignissen   und   Gesinnungen   hatte   sie   das   Nötige mitgeteilt, und nun war freilich Mittlern die schwierige Aufgabe übertragen, auf eine Veränderung des Zustandes Eduarden vorzubereiten. Mittler aber, wohlwissend, daß man das Geschehene sich eher gefallen läßt, als daß man in ein noch zu Geschehendes einwilligt, überredete Charlotten: es sei das beste, Ottilien gleich nach der Pension zu schicken. Deshalb  wurden,  sobald  er  weg  war,  Anstalten  zur  Reise  gemacht.  Ottilie  packte  zusammen, aber   Charlotte   sah   wohl,   daß   sie   weder   das   schöne   Köfferchen,   noch   irgend   etwas   daraus mitzunehmen sich anschickte. Die Freundin schwieg und ließ das schweigende Kind gewähren. Der Tag der Abreise kam herbei; Charlottens Wagen sollte Ottilien den ersten Tag bis in ein bekanntes Nachtquartier, den zweiten bis in die Pension bringen; Nanny sollte sie begleiten und ihre Dienerin bleiben.  Das  leidenschaftliche  Mädchen  hatte  sich  gleich  nach  dem  Tode  des  Kindes  wieder  an Ottilien  zurückgefunden  und  hing  nun  an  ihr  wie  sonst  durch  Natur  und  Neigung;  ja  sie  schien, durch   unterhaltende   Redseligkeit,   das   bisher   Versäumte   wieder   nachbringen   und   sich   ihrer geliebten Herrin völlig widmen zu wollen. Ganz außer sich war sie nun über das Glück mitzureisen, fremde Gegenden zu sehen, da sie noch niemals außer ihrem Geburtsort gewesen, und rannte vom Schlosse  ins  Dorf,  zu  ihren  Eltern,  Verwandten,  um  ihr  Glück  zu  verkündigen  und  Abschied  zu nehmen. Unglücklicherweise traf sie dabei in die Zimmer der Maserkranken und empfand sogleich die Folgen der Ansteckung. Man wollte die Reise nicht aufschieben; Ottilie drang selbst darauf: sie hatte  den  Weg  schon  gemacht,  sie  kannte  die  Wirtsleute,  bei  denen  sie  einkehren  sollte,  der Kutscher vom Schlosse führte sie; es war nichts zu besorgen. Charlotte widersetzte sich nicht; auch sie eilte schon in Gedanken aus diesen Umgebungen weg, nur  wollte  sie  noch  die  Zimmer,  die  Ottilie  im  Schloß  bewohnt  hatte,  wieder  für  Eduarden einrichten, gerade so wie sie vor der Ankunft des Hauptmanns gewesen. Die Hoffnung, ein altes Glück wieder herzustellen, flammt immer einmal wieder in dem Menschen auf, und Charlotte war zu solchen Hoffnungen abermals berechtigt, ja genötigt. Sechzehntes Kapitel Als Mittler gekommen war, sich mit Eduarden über die Sache zu unterhalten, fand er ihn allein, den Kopf in die rechte Hand gelehnt, den Arm auf den Tisch gestemmt. Er schien sehr zu leiden. Plagt Ihr Kopfweh Sie wieder? fragte Mittler. Es plagt mich, versetzte jener; und doch kann ich es 112
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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