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Die Wahlverwandtschaften

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Ich faßte alles wohl und genau, vielleicht zu streng, was du für mich zu wünschen, was du von mir zu fordern schienst. Ich machte mir nach meinen beschränkten Einsichten hierüber Gesetze; nach diesen habe ich lange gelebt, nach ihnen war mein Tun und Lassen eingerichtet, zu der Zeit, da du mich  liebtest,  für  mich  sorgtest,  da  du  mich  in  dein  Haus  aufnahmst,  und  auch  noch  eine  Zeit hernach. Aber ich bin aus meiner Bahn geschritten, ich habe meine Gesetze gebrochen, ich habe sogar das Gefühl  derselben  verloren,  und  nach  einem  schrecklichen  Ereignis  klärst  du  mich  wieder  über meinen Zustand auf, der jammervoller ist als der erste. Auf deinem Schoße ruhend, halb erstarrt, wie  aus  einer  fremden  Welt  vernehm’  ich  abermals  deine  leise  Stimme  über  meinem  Ohr;  ich vernehme, wie es mit mir selbst aussieht; ich schaudere über mich selbst, aber wie damals habe ich auch diesmal in meinem halben Totenschlaf mir meine neue Bahn vorgezeichnet. Ich  bin  entschlossen,  wie  ich’s  war,  und  wozu  ich  entschlossen  bin,  mußt  du  gleich  erfahren. Eduards werd’ ich nie! Auf eine schreckliche Weise hat Gott mir die Augen geöffnet, in welchem Verbrechen ich befangen bin. Ich will es büßen; und niemand gedenke mich von meinem Vorsatz abzubringen!  Darnach,  Liebe,  Beste,  nimm  deine  Maßregeln.  Laß  den  Major  zurückkommen; schreibe ihm, daß keine Schritte geschehen. Wie ängstlich war mir, daß ich mich nicht rühren und regen konnte, als er ging. Ich wollte auffahren, aufschreien: du solltest ihn nicht mit so frevelhaften Hoffnungen entlassen. Charlotte sah Ottiliens Zustand, sie empfand ihn; aber sie hoffte durch Zeit und Vorstellungen etwas über sie zu gewinnen. Doch als sie einige Worte aussprach, die auf eine Zukunft, auf eine Milderung des Schmerzes, auf Hoffnung deuteten: Nein! rief Ottilie mit Erhebung: sucht mich nicht zu  bewegen,  nicht  zu  hintergehen!  In  dem  Augenblick,  in  dem  ich  erfahre:  du  habest  in  die Scheidung gewilligt, büße ich in demselbigen See mein Vergehen, mein Verbrechen. Fünfzehntes Kapitel Wenn    sich    in    einem    glücklichen    friedlichen    Zusammenleben    Verwandte,    Freunde, Hausgenossen, mehr als nötig und billig ist, von dem unterhalten, was geschieht oder geschehen soll; wenn sie sich einander ihre Vorsätze, Unternehmungen, Beschäftigungen wiederholt mitteilen, und  ohne  gerade  wechselseitigen  Rat  anzunehmen,  doch  immer  das  ganze  Leben  gleichsam ratschlagend behandeln: so findet man dagegen, in wichtigen Momenten, eben da, wo es scheinen sollte, der Mensch bedürfe fremden Beistandes, fremder Bestätigung am allermeisten, daß sich die Einzelnen auf sich selbst zurückziehen, jedes für sich zu handeln,  jedes auf seine Weise zu wirken strebt,  und  indem  man  sich  einander  die  einzelnen  Mittel  verbirgt,  nur  erst  der  Ausgang,  die Zwecke, das Erreichte wieder zum Gemeingut werden. Nach  so  viel  wundervollen  und  unglücklichen  Ereignissen  war  denn  auch  ein  gewisser  stiller Ernst über die Freundinnen gekommen, der sich in einer liebenswürdigen Schonung äußerte. Ganz in der Stille hatte Charlotte das Kind nach der Kapelle gesendet. Es ruhte dort als das erste Opfer eines ahnungsvollen Verhängnisses. Charlotte  kehrte  sich,  so  viel  es  ihr  möglich  war,  gegen  das  Leben  zurück,  und  hier  fand  sie Ottilien  zuerst,  die  ihres  Beistandes  bedurfte.  Sie  beschäftigte  sich  vorzüglich  mit  ihr,  ohne  es jedoch merken zu lassen. Sie wußte, wie sehr das himmlische Kind Eduarden liebte; sie hatte nach und nach die Szene, die dem Unglück vorhergegangen war, herausgeforscht, und jeden Umstand, teils von Ottilien selbst, teils durch Briefe des Majors erfahren. Ottilie von ihrer Seite erleichterte Charlotten sehr das augenblickliche Leben. Sie war offen, ja gesprächig, aber niemals war von dem Gegenwärtigen oder kurz Vergangenen die Rede. Sie hatte stets aufgemerkt, stets beobachtet, sie wußte viel; das kam jetzt alles zum Vorschein. Sie unterhielt, sie  zerstreute  Charlotten,  die  noch  immer  die  stille  Hoffnung  nährte,  ein  ihr  so  wertes  Paar verbunden zu sehen. 109
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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